Schaumburger Zeitung, Schaumburg-Lippische Landeszeitung 29.04.2004

Tonabbau bis Mitternacht – und sogar sonntags

Anwohner: „Firma hält sich nicht an vereinbarte Zeiten“

Todenmann (wm). Als unsachlich und überzogen stufte der gerade neu gewählte Ortsbürgermeister Uwe Drinkuth die Berichterstattung unser Zeitung am Montag über die Probleme der Anwohner mit dem Tonabbau in Todenmann ein („Todenmanner mobilisieren gegen Tonabbau“) und musste sich am Dienstagabend in der Bürgerfragestunde des Ortsrates im Gasthaus „Droste“ von den anwesenden Zuhörern eines Besseren belehren lassen.

Der Unternehmer, so Tenor aller Wortmeldungen, halte sich an keinerlei Arbeitszeiten und Absprachen. Gelärmt würde in der Tonkuhle von morgens um sechs Uhr bis 22 Uhr und an manchen Tagen sogar bis Mitternacht. auch an Sonnabenden und Sonntagen.

Hier gebe es Gesprächsbedarf, formulierte Dr. Claus Uhde moderat, vieles decke sich in der Praxis nicht mit dem, was den Anwohnern vor zwei Jahren zugesichert worden sei. Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz bestätigte, als es um das „gemeindliche Einvernehmen“ in dem Verfahren gegangen sei, habe man über Abbauzeiten von 6 bis 18 Uhr montags bis freitags gesprochen.

Dr. Claus Uhde vermisste vor allem „Rechtssicherheit“ für die Anwohner. Verträge die heute geschlossen würden, sollten im Grundbuch abgesichert werden, „wer erinnere sich sonst in 20 Jahren noch daran?“ Was sollte den Unternehmer hindern, weiter bis zum Zollhaus abzubauen, vielleicht sei „das ja dann attraktiv für einen Skihang“.

Herbert Limberg schilderte in der Bürgerfragestunde, er habe eine Bauvoranfrage an die Stadt gestellt für ein Grundstück, das direkt an die geplante Erweiterung des Tonabbaugebietes grenze. Er müsse Käufern sagen können, was auf sie zu komme. „Dass an Samstagen Abraum geschoben wird, dafür gibt es keine Erklärung.“ Werner Zimmermann, der selber beim Landkreis mit Bodenabbau befasst war, erklärte,er könne sich nicht vorstellen, dass der Unternehmer einen Rechtsanspruch auf solch abnorme Zeiten habe.

Er sei „fast vom Hocker gefallen“, als er gelesen habe, dass der Unternehmer den Lärm- und Sichtschutzwall am Grenzweg nicht verlängern könne, weil der Eigentümer der angrenzenden Fläche dafür kein Land abtreten wolle. Erstens sei nie davon die Rede gewesen, dass der Unternehmer dafür das Gelände vom Nachbarn brauche, zweitens sei das kein Argument, um eine Behörde unter Druck zu setzen. Zimmermann: „Wenn der Unternehmer als Antragsteller diese Voraussetzung nicht schaffen kann, gibt es eben keine Genehmigung.“

Gerd Beu war völlig unverständlich, warum sonntags Lastwagen in der Tongrube fahren dürfen. Im Lehmabbau sei Sonntagsarbeit nicht üblich. Dafür sei eine Genehmigung des Gewerbeaufsichtsamtes erforderlich.

Martina Vogt von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises betonte, das „Verfahren sei noch nicht abgeschlossen“ und demnächst würde es eine Bürgeranhörung geben. Schaumburger Zeitung, 29.04.2004

 

         Schaumburger Zeitung, Schaumburg-Lippische Landeszeitung 13.05.2004

    Artikel über die am 29.April 2004 angekündigte Infoveranstaltung:

    Tonabbau: Heftige Diskussion um Verladezeiten

    Info Veranstaltung: Firma Bergmann will an Sonnabend festhalten / Bürger sehen Tourismus gefährdet.

    Todenmann (la). Zu heftigen Diskussionen um die Abbau- und Verladezeiten beim Tonabbau in Todenmann ist es bei der Bürgerinformationsveranstaltung des Landkreises und der Firma Bergmann gekommen. Rund 30 Bürger informierten sich über die geplante Erweiterung des Abbaugebietes.

    Der Landschaftsarchitekt der Firma Bergmann, Rainer Brokmann, stellte den Bürgern das geplante Projekt vor. Auf einer Fläche von 9,6 Hektar sollen eine Million Kubikmeter Ton abgebaut werden. Pro Jahr ist der Abbau von 45 000 Kubikmetern geplant, der sich über 23 bis 25 Jahre hinziehen soll. Das Abbaugebiet soll bis auf 150 Meter an das „Alte Zollhaus“ und bis auf 120 Meter an die „Alte Todenmanner Straße“ reichen. Abgebaute Abschnitte sollen zeitnah als landestypischer Naturraum rekultiviert werden.

    „Bei den Betriebszeiten sind wir den Bürgern entgegengekommen“, sagte Brokmann. Montags bis freitags soll von 7 bis 17 Uhr abgebaut werden. Verladen werden soll der gewonnene Ton montags bis freitags von 6 bis 20 Uhr und sonnabends von 6 bis 18 Uhr.

    „Wir wissen, dass wir den Abbau nicht verhindern können“, sagte Dr. Claus Uhde von der Bürgerinitiative, wies aber auf den großen Konfliktbereich der Betriebszeiten hin: Als „gebranntes Kind“ wisse man, dass die Zeiten nicht eingehalten würden.

    Damit entbrannte eine hitzige Diskussion. „Wir haben Betriebszeiten bis 22 Uhr beantragt, aber zurückgenommen“, erklärte Brokmann das Entgegenkommen der Firma Bergmann. Ursula Krahtz, zuständige Dezernentin des Landkreises, wies darauf hin, dass jetzt die neuen Zeiten für das Erweiterungsgebiet verhandelt würden. Aus betrieblichen Gründen seien Arbeiten wie das Verladen am Sonnabend nicht auszuschließen.

    „Der Lärm durch die Lastwagen am Sonnabendmorgen ist für Anwohner nicht zumutbar“, stellte der Anwohner Rudi Nöttger seine Position klar. Brokmann erwiderte, das Verladen sei aber wesentlich leiser als der Abbau.

    „Der Verwaltungsausschuss der Stadt hat den Beschluss gefasst, dass Arbeitstätigkeiten montags bis freitags zwischen 8 und 18 Uhr ausgeführt werden können. Diese Zeiten müssen ausreichen, ich mag es nicht, wenn am Sonnabend Lastwagen durch die Innenstadt fahren“, meinte Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz und erntete tosenden Applaus.

    „Wir müssen unseren Betrieb flexibel halten, um im Wettbewerb bestehen zu können. Der Ofen im Ziegelwerk darf nicht ausgehen – schließlich zahlen wir Steuern“, meinte Otto Bergmann.

    Dr. Uhde signalisierte Verständnis für betriebliche Erfordernisse, „aber Ausnahmesituationen dürfen nicht zur Regel werden“, mahnte er. Schließlich sei Todenmann ein Luftkurort, der vom Tourismus lebe – „dazu passen die Arbeiten am Sonnabend nicht“. Vielleicht könne man sich auf vier Sonnabende pro Jahr einigen, schlug Buchholz vor und merkte an: „Nicht nur Herr Bergmann kann vor Gericht ziehen, sondern auch die Anwohner des Grenzweges.“

    Ursula Krahtz fasste nach einer zweistündigen Diskussion das Ergebnis zu drei Varianten zusammen, die geprüft werden sollen. Variante 1 wäre, die tageszeitliche Ausdehnung am Sonnabend zu reduzieren. Variante 2 könnte eine gewisse Anzahl an Sonnabenden pro Jahr als Höchstgrenze sein, und Variante 3 eine mit der Genehmigung verbundene Klausel, die Zeiten später noch einmal zu prüfen und gegebenenfalls zu ändern. Landes-Zeitung, 13.05.2004