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    Möllenbecker wollen Kameshügel schützen

    Naturschutzgebiet "Mühlenberg" unstrittig

    Möllenbeck (crs). Gegen den Kiesabbau, der eine 30 Hektar große Kameshügellandschaft vernichten würde, waren im Ortsrat Möllenbeck keine Bedenken laut geworden: Einstimmig unterstützten die Mitglieder vor nur vier Wochen den Abbauantrag der Firma Reese. Ebenso einstimmig hat der Ortsrat jetzt die Ausweisung eines Naturschutzgebietes für den Mühlenbergbeantragt - der ebenfalls ein Kameshügel ist, aber nur knapp einen Hektar groß.

    Die Schutzwürdigkeit der Fläche schien bei der Sitzung am Montagabend völlig außer Frage zu stehen. Als "sehr schützenswert" bezeichnete SPD-Fraktionssprecher Werner Begemann das Mühlenberg-Gelände. Daher werde seine Fraktion "mit allen Mitteln" die Einordnung als Naturschutzgebiet unterstützen - "damit die Fläche so mit den seltenen Pflanzen erhalten werden kann". Das sei "schon gut", erwähnte CDU-Ortsratsmitglied Eckard Strohmeier den Schutzzweck des geplanten Naturschutzgebietes sogar nur ganz am Rande.

    Eine Einschränkung zu den Verwaltungsplänen regte Begemann an: Am südlichen Ende des Mühlenbergs soll ein 40 bis 50 Meter breiter Streifen für Wohnbebauung frei gelassen werden. "Historisch gesehen ist Möllenbeck ein Straßendorf", warb Strohmeier dafür, sich nicht durch die Ausweisung eines Naturschutzgebietes von vornherein künftige Baugebiete zu verbauen. An der nördlichen Seite des Breiten Bören fehlt diese einreihige Bebauung bislang: "Das würde gut ins Dorfbild passen."

    Bei einer Enthaltung votierte der Ortsrat einstimmig für diese Option. Ortsbürgermeister Udo Hornung (SPD): "Dadurch darf das Naturschutzgebiet als Ganzes aber nicht in Frage gestellt werden." Schaumburger Zeitung, 23.03.2005

 

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    Überraschendes Patt: 4 zu 4 bei Reese-Antrag

    Fassungslosigkeit im Bauausschuss: Abbau-Befürworter Karl Lange (FDP) verlässt Sitzung vor Abstimmung

    Rinteln (crs). Er kam, sprach - und ging. ZurÜberraschung wohl aller Ausschussmitglieder hat Karl Lange (FDP) die Sitzung des Bauausschusses am Mittwochabend unmittelbar vor dem Votum zum Erweiterungsantrag des Kieswerks Reese verlassen. Das Fehlen des erklärten Abbau-Befürworters hat - anders als erwartet - zu einem 4:4-Abstimmungspatt geführt. Die drei CDU-Mitglieder stimmten für das Vorhaben, ebenso der Möllenbecker SPD-Ratsherr Reinhold Kölling; die übrigen SPD-Mitglieder votierten gegen den Erweiterungsantrag der Firma Reese.

    Die Reaktionen im Bauausschuss waren von ungläubiger Fassungslosigkeit, Kopfschütteln und verärgertem Unverständnis geprägt. "Ich habe mich selten so gefreut, dass einer gegangen ist", machte Abbaugegner Gert Armin Neuhäuser (SPD) aus seiner diebischen Freude keinen Hehl. Weniger begeistert zeigten sich die Befürworter des Erweiterungsvorhabens: "Das kann doch nicht sein", fasste sich Günther Maack (CDU) an den Kopf. Und frustriert zog Kölling seine Wortmeldung zurück: "Das hat sich jetzt erledigt..."

    Zuvor hatte sich Karl Lange mit deutlichen Worten für den Reese-Antrag eingesetzt. Seine Auffassung hatte er beim Verlassen der Sitzung nochmals dem Ausschussvorsitzenden Heinrich Söffker (SPD) mitgeteilt, was indes unberücksichtigt blieb: Bei einer Abstimmung ist die persönliche Anwesenheit erforderlich.

    Neue Argumente gab es in der gut halbstündigen Diskussion nicht - ausgetauscht wurden sie trotzdem. Von einer "volkswirtschaftlichen Verpflichtung" angesichts von fünf Millionen Arbeitslosen sprach Maack für die Befürworter; eine Argumentation, die Neuhäuser als "Totschlagsargument" geißelte: "Soll ich mit Tempo 100 durch die Fußgängerzone fahren, damit die Ärzte mehr Arbeit haben?" Der Berg sei schon lange weg, sah Kölling "keinen schützenswerten Wald mehr"; darum gehe es doch gar nicht, konterte die nicht stimmberechtigte Ursula Helmhold (Grüne) und stellte die "einzigartige geologische Formation der Kameshügel" in den Vordergrund.

    Am 17. März entscheidet der Stadtrat abschließend über das Vorhaben. Schon jetzt appellierte Neuhäuser an den Landkreis Schaumburg, "das Nein aus Rinteln eins zu eins umzusetzen". Schaumburger Zeitung, 04.03.2005

 

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    Nein zum Abbau - Ja zum Naturschutzgebiet

    Ortsrat Krankenhagen will Schutz der Kameshügel ausdehnen / Einstimmiges Votum für Erhalt der K 80

    Krankenhagen (crs). Neun Stimmen gegen den Erweiterungsantrag der Firma Reese, eine Enthaltung, zwei Stimmen dafür: Anders als ihre Nachbarn in Möllenbeck wollen die Mitglieder des Ortsrates Krankenhagen-Volksen mehrheitlich keinen weiteren Kiesabbau.

    Im Gegenteil: Der Schutz des "Lipper Berglands" soll weiter ausgedehnt werden. Nach dem erklärten Willen aller Ortsratsmitglieder soll ein "möglichst großer Bereich der Fläche" als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. "Dieses Verfahren müssen wir beschleunigt in Gang setzen", forderte Gerald Sümenicht (SPD) langfristig eine bessere Schutz-Perspektive als lediglich den Landschaftsschutz. Für dieses Ziel votierten überraschenderweise auch Karl-Heinz Struckmann (SPD) und Frank Kuhlmann (CDU), die zuvor für die Erweiterungspläne des Kieswerks gestimmt hatten.

    Die vergleichsweise kurze Diskussion war geprägt von einer gewissen Resignation: Wirklichen Einfluss auf das endgültige Votum des Landkreises haben die Krankenhäger nicht. Es sei doch "vollkommen Banane", wie der Ortsrat abstimme, lamentierte Heinz-Jürgen Requardt (CDU), der sich bei der späteren Abstimmung der Stimme enthielt. "Logisch wird's den Abbau geben, das ist Fakt!", befürchtete er eine bereits bestehende Beschlusslage. Zumindest Signalwirkung habe die Stellungnahme aus Krankenhagen, konterte Ortsbürgermeister Gerhard Werner (SPD): "Wir sollten die Möglichkeit nutzen, mit unserem Votum Einspruch zu erheben." Ähnlich argumentierte Frauke Kampmeier (SPD): Trotz des geringen Einflusses sei das Eintreten für Krankenhäger Interessen von großer Bedeutung. Und aus dieser Sicht gebe es nur eine Möglichkeit: "Gegen den Abbau!"

    In ihrer ablehnenden Argumentation stützte sich die Ortsrats-Mehrheit insbesondere auf die unwiederbringlich verlorene Kameshügel-Landschaft, die auch durch Rekultivierung nicht zurückzuholen sei. "Hier wird immer wieder Wald sein", wandte sich hingegen Requardt gegen eine Beurteilung allein aus Krankenhäger Perspektive.

    Einig waren sich die Ortsratsmitglieder beim Thema Verkehrsanbindung in Richtung Lippe: Einstimmig wurde der Erhalt der Kreisstraße 80 im jetzigen Verlauf gefordert. Die K 80 sei "historisch und wirtschaftlich" eine wichtige Verbindung zwischen Krankenhagen und Möllenbeck, plädierte Requardt für den Erhalt. Sie sei eine "wesentliche Begrenzung" für das Abbaugebiet, setzte sich auch Struckmann für die Beibehaltung der jetzigen Streckenführung ein.

    Und Struckmann konnte zum Abschluss der Debatte noch einen für viele erstaunlichen positiven Aspekt abgewinnen: "Immerhin hat die Diskussion die Kameshügel bekannt gemacht - und wenn die angebaggert sind, kann man sie auch besser sehen." Schaumburger Zeitung, 26.02.2005

 

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    Reese-Abbau: Verwaltung für Ablehnung

    Krankenhagen (wer). In ihrer Beschlussvorlage für die politischen Gremien schlägt die Stadtverwaltung vor, eine ablehnende Stellungnahme zur Erweiterung des Kieswerks Reese zu formulieren. Begründet wird die negative Empfehlung allerdings nicht in der Sache, sondern mit der Beschlusslage des Rates.

    Der Rat hatte am 23. September eine Resolution zum Erhalt der Kameshügellandschaft verabschiedet. Heute wird sich der Ortsrat Möllenbeck mit dem Thema befassen, am Donnerstag der Ortsrat Krankenhagen/Volksen. In der nächsten Woche beraten Bau- und Verwaltungsausschuss über die Stellungnahme an den Landkreis, bevor über den Reese-Antrag erneut im Rat abgestimmtwird.

    Die Verwaltung geht davon aus, dass die genehmigte Fläche noch einen Abbau bis 2011 oder 2013 erlaubt. Die Erweiterungsfläche wird insofern als Kompromiss dargestellt, als die potenziell mögliche Fläche des Landesraumordnungsprogramms verkleinert wurde. Gleichzeitig führt die Verwaltung aber den neueren Bodenabbauleitplan Weser an, der ohne jedeErweiterungsmöglichkeit für Reese vom Kreistag beschlossen worden ist. Die Darstellung erwähnt auch die "besondere Bedeutung" der "markanten Geländeform für das Landschaftsbild". Unerwähnt bleibt die alte Planung der Bezirksregierung, in den Kameshügeln ein Geotop- und Naturschutzgebiet auszuweisen. Schaumburger Zeitung, 22.02.2005

 

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    Sand und Kies lagern hier seit der Eiszeit

    Naturschützer wandern über Kameshügel / Heute Präsentation zum Kiesabbau im Brückentor

    Krankenhagen (la). "Die Kameslandschaft stammt aus der Eiszeit. Schmelzwasser staute sich und schichtete abgelagerte Sande und Kies auf", erläutert Heinz Freil vom Heimatverein Krankenhagen zu Beginn einer fach- wie sachkundige Wanderung durch die vom Kiesabbau bedrohte Kameshügellandschaft.


    Knapp 30 Naturschützer hat Heinz Freil vom Heimatverein Krankenhagen durch die Kameshügellandschaft geführt. Foto: tol

    Knapp 30 interessierte Bürger waren dem Aufruf des Heimatvereins gefolgt, unter ihnen auch Elke Reineking von der Aktionsgemeinschaft Weserbergland und die Landtagsabgeordnete der Grünen, Ursula Helmhold.

    Südlich von Möllenbeck wird im früher zum Kloster gehörigen Staatsforst Feinsand gewonnen. Jetzt hat die Firma Reese den Antrag gestellt, die gesamte Fläche für den Abbau freizugeben und fordert dafür die entsprechende Genehmigung beim Landkreis Schaumburg ein (wir berichteten). Gegen diesen geplanten Raubbau an der Natur wollten die Wanderer "demonstrieren" und sich gleichzeitig informieren. Vom Sportplatz Krankenhagen aus ging es über den Thingplatz, vorbei an dem 2 500 Jahre alten Hügelgrab in Richtung Möllenbeck. Immer wieder hielt Heinz Freil die Gruppe an, um Interessantes über die Entstehung der Kameshügel zu berichten. An der Abbaukante des Kieswerks Reese sahen sich die Heimatschützer den bereits fortgeschrittenen Naturschaden an. "Hier muss jetzt Schluss sein. Unsere letzten Naturschätze und Erholungsräume müssen erhalten bleiben", stellte Elke Reineking fest.

    Veranstaltungshinweis: Heute um 19.30 Uhr findet im Brückentor ein öffentlicher Präsentationstermin der Stadt Rinteln zum geplanten Kiesabbau der Firma Reese statt. Schaumburger Zeitung, 21.02.2005

 

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    Auch Kieswerk Pampel soll expandieren

    Verdrängungswettbewerb in der Branche: Reese will neuen Abbau nicht nur in den Kameshügeln

    Rinteln (wer). Naturschutz oder Sandabbau - das Genehmigungsverfahren für die Erweiterung des Kieswerks Reese geht in die heiße Phase. Am Montag präsentiert das Unternehmen seine Pläne vor der Ratspolitik. Die Naturschützer kämpfen für den Erhalt der Kameshügel, das Kieswerk für eine Erweiterungsmöglichkeit von vielen: Gleichzeitig will Reese in Stemmen vergrößern, bereitet ein größeres Abbaugebiet in Bad Oeynhausen vor und hält die Schürfrechte an der Ellerburg.

    Volkswirtschaftlich macht der Expansionskurs wenig Sinn: Der Bedarf an Kies und Sand schrumpft seit Jahren (siehe Fakten). Längst sind die Überkapazitäten so groß, dass Kieswerke aus der Region überschüssigen Sand als Füllmaterial verwenden.

    Auch Reese bekommt den Abwärtstrend im Bausektor zu spüren: Im neu gekauften Kieswerk Pampel wurden prompt Kündigungen ausgesprochen. Auch die Fördermenge im Hauptwerk ist seit Jahren rückläufig, die Abbauzeit verlängert sich. Auch Braas nimmt deutlich weniger ab: Auf diesen Kunden fallen nach Angaben von Reese noch zehn Prozent des Absatzes.

    Ungeachtet dessen soll für weiteren Sand- und Kiesabbau bei Krankenhagen ein potenzielles Natur- und Geotopschutzgebiet abgegraben werden. Für das Kieswerk trotz allem eine lukrative Angelegenheit, denn im Gegensatz zu anderen Lagerstätten schmälern im Staatsforst keine kostspieligen Grundstückskäufe den Gewinn. Nurein förderabhängiger Zins an die Forst wird fällig. Eine indirekte staatliche Subventionierung, von der Reese im Wettbewerb seit Jahren profitiert.

    Abbaugebiete zu sichern, obwohl die Nachfrage am Boden liegt, gehört zur Branchenstrategie. Auch Reese mischt im Flächenpoker mit, die Zukunft des Unternehmens hängt nicht allein von den 30 Hektar im Wald ab.

    Schon vor einigen Jahren hat sich das Kieswerk eineüber 40 Hektar große Abbaufläche am Gut Deesberg an der Weser (bei Bad Oeynhausen) gesichert. Wie der Kreis Minden-Lübbecke bestätigt, hat ein erster Planungstermin stattgefunden - mit Erfolg: Die Fläche wurde in den Gebietsentwicklungsplan aufgenommen. Allerdings sitzt Reese nicht allein im Boot: Auch die "Weserkies und -sand Vertriebs GmbH" ist beteiligt. Mit dem Kauf von Pampel hat sich Reese aber eine Mehrheit in der Beteiligungsgesellschaft verschafft.

    Geplatzt ist der Plan, auch in Hameln-Tündern einzusteigen: Ohne Grundeigentum nützten dem Kieswerk selbst die Abbaurechte nichts. Reese scheiterte vor Gericht.

    Erfolgversprechend scheint dagegen eine Erweiterung des Kieswerks Pampel in Möllenbeck/Stemmen auf nordrhein-westfälischem Gebiet. Mit dem Kreis Lippe hat Reese über 1,7 Hektar für weiteren Nassabbau verhandelt. Peter Gehler von der Unteren Landschaftsbehörde hält das Vorhaben prinzipiell für genehmigungsfähig. Kann das Werk erweitern, hält es bis zur Abbaureife derFläche "SHG 1" an der Ellerburg durch. Mit dem Kauf von Pampel hat sich Reese auch diese 40 Hektar reserviert.

    Das Erweiterungsgebiet bei Krankenhagen ist die einzige Reese-Fläche, die nicht auf Ackergelände liegt, sondern ein Waldgebiet in den schützenswerten Kameshügeln vernichten würde. Der Kreis Lippe sieht das kritisch: "Wir haben auf unserem Gebiet immer darauf geachtet, keinen Abbau in den Kameshügeln zu genehmigen", sagt Gehler.

    Termine zum Kiesabbau:

    Kameswanderung des Heimatvereins Krankenhagen, heute 10.30 Uhr ab Kuhlmann.

    Öffentlicher Präsentationstermin der Stadt am Montag im Brückentor, 19.30 Uhr.

 

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    Neue Option: Reese kauft Kieswerk Pampel

    Möllenbeck (wer). Kiesunternehmer Wilhelm Reese ist auf Einkaufstour gegangen: Er hat die „Kieswerk Stemmen H. Pampel GmbH“ übernommen und sich damit die Option eröffnet, auch im Gebiet „SHG 1“ an der Ellerburg abzubauen. Das Kieswerk Pampel, dessen Trocken- und Nassabbauflächen bei Möllenbeck/Stemmen in drei bis vier Jahren aufgezehrt sind, hatte bereits Grundeigentum an der Ellerburg erworben. Außerdem ist Reese an einer Gesellschaft beteiligt, deren Ziel der Kiesabbau auf der Fläche „SHG 4“ am Doktorsee ist.

    Offenbar sichert sich Reese ab, falls der Abbau im Möllenbecker Wald nicht durchsetzbar ist. Ein Ausweichen auf die Fläche am Doktorsee gilt als unwahrscheinlich, da die Stadt hier Wegeflächen besitzt, die wohl keinen rentablen Betrieb zulassen. Sollte am Doktorsee und im Möllenbecker Wald kein Abbau möglich sein, könnte das Vorranggebiet „SHG 1“ in der Zeitstufe aufgewertet werden.

    Reese selbst bezeichnet den Aufkauf im Gespräch mit unserer Zeitung als „Rohstoffsicherung“ – an den Expansionsplänen in der Kameslandschaft wolle er festhalten.

    Interpretiert wird der Kauf allgemein als Schritt zur Sicherung der Marktposition, der auch zu Neubewertungen des laufenden Abbauantrages führt: „Die Erweiterung erscheint jetzt in einem anderen Licht“, erklärt der CDU-Landtagsabgeordnete Joachim Runkel, der dem Antrag bisher relativ aufgeschlossen gegenüber stand. Reese verfüge nun über viel größere Rohstoffvorräte: „Eine Notwendigkeit für eine Erweiterung in dieser Größe sehe ich nicht.“ Vielmehr müsse Reese seine Produktion überprüfen, um die Firma Braas dauerhaft beliefern zu können.

    Derzeit gehen nur zehn Prozent des Reese-Absatzes an Braas. Der Dachsteinehersteller profitiert von den Liefer- und Aufbereitungskonditionen des benachbarten Kieswerks Reese, könnte seinen Sand im Zweifel aber auch aus anderen Gruben beziehen. Schaumburger Zeitung, 23.09.2004

 

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    Umstritten: Abstand vom Kiesteich zur Straße

    Heimatbund und Nabu: 20 Meter sind zu wenig / Kieswerk: Böschung und Büsche schirmen ab

    Hohenrode (wm). Ganz so „geräuschlos“, wie von Landkreis-Pressesprecher Klaus Heimann dargestellt, scheint der nicht öffentliche Erörterungstermin um die weitere Auskiesung in Hohenrode doch nicht verlaufen zu sein. Denn weder Ortsbürgermeister Helmut Dörjes noch der Naturschutzbund noch der Niedersächsische Heimatbund sind mit dem vom Kieswerk Eggersmann vorgeschlagenen 20-Meter-Abstand zwischen Kiesteich und Dorfrand beziehungsweise Landesstraße einverstanden.

    Hundert Meter seien optimal, so der Niedersächsische Heimatbund in seiner Stellungnahme, 50 Meter gerade noch vertretbar, wie Achim Thielemann für den Heimatbund beim Erörterungstermin feststellte. Denn bei einem 20-Meter-Abstand zur Böschung werde es auch für die Radfahrer auf dem neu zu bauenden Radweg nach Hohenrode eng, der auf der Weser- und damit künftigen Kiesteichseite verlaufen soll.

    Das Gegenteil sei richtig, erklärte gestern auf Anfrage Dr. Frank Büthe vom Kieswerk Eggersmann. Die Situation werde besser als bisher, wo der künftige Radweg an einem Graben entlanggeführt werde. Es sei geplant, eine Böschung anzuschieben und anzupflanzen, man werde den Kiesteich vom Radweg „nur noch erahnen“, weil er hinter Büschen verborgen sei. Auch in Engern verläuft ein Fußweg, der oft von Radfahrern benutzt wird, direkt entlang der Kiesteiche.

    Der Heimatbund hält das Landschaftsbild in Hohenrode für beeinträchtigt, der Naturschutzbund fürchtet, von der Straße könnten verunreinigtes Wasser und Öl- und Abriebrückstände von Autos in den Teich laufen. Auch diese Befürchtungen, so sieht man es beim Kieswerk, würden nicht der künftigen Realität entsprechen.

    Auch grundsätzlich zeigte sich der Niedersächsische Heimatbund nicht mit der „Salamitaktik“ einverstanden. Ursprünglich sei von einem Gesamtabbaugebiet von rund 101 Hektar ausgegangen worden. Mit dem jetzigen Verfahren habe sich die Fläche vergrößert auf insgesamt 127,5 Hektar, mehr als die Fläche der Rintelner Altstadt.

    Ursprünglich sei die Rede davon gewesen, dass die große Hecke am Dorfrand komplett erhalten bleibe, nach den neuesten Pläne werde ein Teil abgeholzt. Auch hier ist der Heimatbund der Meinung, dass auf den südlichen Zipfel eines See ganz verzichtet werden sollte, damit die schon auf dem Blatt Rinteln der Karte des Kurfürstentums Hessen von 1860 verzeichnete L-förmige große Feldhecke erhalten bleiben könnte.

    Hohenrodes Ortsbürgermeister Helmut Dörjes vermisst in den jetzt vorgestellten Plänen außerdem den zugesagten Rundweg. Hier werde der Ortsrat nochmals tätig werden müssen, um den berechtigten Wünschen der Anwohner mehr Gewicht zu verleihen.

    Insgesamt gingen zum Erörterungstermin zahlreiche Einwendungen und Stellungnahmen ein, die von der Kreisverwaltung auf sechs Seiten in Stichworten aufgelistet worden sind. Schaumburger Zeitung, 09.12.2004

 

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    Das vierte "Nein" zum Reese-Kiesabbau

    Landkreis setzt Abbau gegen die Stadt durch

    Rinteln (wer). Zum vierten Mal hat der Ratüber die Erweiterung des Reese-Kiesabbaus abgestimmt, zum vierten Mal hat er sie abgelehnt. Die Stadt versagt damit endgültig ihr Einvernehmen, der Landkreis wird es "ersetzen" - er allein gibt grünes Licht für die Erweiterung des Abbaus.

    Die Abstimmung - der Rat votierte mit 18 zu 17 Stimmen für die Verweigerung des Einvernehmens - verlief kurios: CDU-Fraktionschef Thorsten Frühmark, beim Thema Reese unter Druck seiner Fraktion, wetterte gegen den Kiesabbau und stimmte anschließend wie die gesamte CDU dafür. Weil die Schlacht verloren sei, wie Frühmark begründet. Auch Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz stimmte (anders als bisher) für das Einvernehmen - und damit sogar gegen die eigene Verwaltungsvorlage. Dagegen überraschte Karl Lange (FDP), bis jetzt klarer Befürworter des Abbaus, zumindest im ersten Zählgang mit einer Enthaltung.

    Heinrich Sasse (WGS), derüber das "Nein" hinaus eine Klage der Stadt gegen den Landkreis befürwortet, warf der Verwaltung in dieser Hinsicht Mutlosigkeit vor: "Ihre Kriegsflagge zeigt weißen Adler auf weißem Grund." Schaumburger Zeitung, 17.12.2005

 

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    “Fühlt der Mensch sich denn als Gottesmacht?"

    Vor der Entscheidung zum Kiesabbau: Rintelnerin Dorothea Erdniß schreibt an Landrat Schöttelndreier

    Rinteln. Morgen entscheidet der Kreistagüber das Erweiterungsvorhaben der Kiesabbau-Firma Reese. Bereits am 11. Juni hat die Rintelnerin Dorothea Erdniß an Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier geschrieben: In ihrem Brief appelliert sie an Schöttelndreier, die Kameshügel zu erhalten und "dem Mammon die Stirn zu bieten". Auf eine Antwort des Landrats wartet sie noch immer.


    Foto:Brief an Landrat: Dorothea Erdniß.

    "Sehr geehrter Herr Landrat Schöttelndreier!

    Als ich gestern den Artikelüber den weiter zu genehmigenden ,Kiesabbau im Möllenbecker Wald' las, wollte ich Ihnen ganz spontan schreiben. Aber man soll alles erst mal überschlafen, so las ich heute, dass sich Herr Bartling - hoffentlich mit Erfolg - für die Erhaltung der Landschaft dort einsetzen will.

    Ich kenne Möllenbecker Wald und Heidelbecker Holz seit meiner Kinderzeit sehr gut, da wir dort viel mit meinem Vater gewandert sind, der 40 Jahre hier ehrenamtlich für den Naturschutz und 50 Jahre lang ebenso als Kreispfleger für Vorgeschichte tätig war. Er versäumte es nie, uns an die Hügelgräber dortzu führen, und ich weiß, dass namhafte Archäologen sich bei ihm deswegen kundig machten. Landschaft, Erholungsgebiet, Wanderwege, altes Kulturgut - das alles soll nun des Geldes und Gewinnes wegen vernichtet werden. Wohin sind wir gekommen? Am meisten hat mich empört, dass Ihre Verwaltung den Abbau als ,Umgestaltung und Neugestaltung' der Landschaft betont. Muss der Mensch sich denn in alles einmischen, was einmal entstanden ist, fühlt er sich als ,Gottesmacht'? Die Zeit heute zeigtdoch schon genug, was die Menschen, das heißt ,wir', schon an der Natur gesündigt haben. Glaubt Ihre Verwaltung denn, sie könne Besseres schaffen, als das, was uns der Möllenbecker Wald bietet? Vielleicht machen Sie mal mit den zuständigen Bürokraten einen Betriebsausflug auf Wanderschuhen durch die Wälder und Schluchten, die Fauna und Flora, am besten früh morgens, wenn die Vögel das Sagen haben und nicht der Verkehrs- und Industrielärm.

    Hat Ihr Justiziar Meyer Angst vor einem Prozess mit der Firma Reese? Es wird so viel Geld - unser Geld - unnütz auch heute noch ausgegeben, da sollte auch dafür Geld da sein.

    Hören Sie auf die Bürger Ihres Landkreises und die Lipper, die Vereine und Verbände und haben Sie den Mut, dem Mammon die Stirne zu bieten.

    Das wünsche ich Ihnen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Dorothea Erdniß"