Deister- und Weserzeitung  Hameln

 

 

„Wir haben die Erde nur geliehen“

Gegen Gesteinsabbau: Weiterer Marsch zum Dachtelfeld

Bad Münder (weg). Mit Freunden gemütlich Geburtstag feiern oder sechs Kilometer zu Fuß marschieren? Eine einfache Entscheidung für Helmut Fasse, denn schließlich ging es um die Erhaltung des Dachtelfeldes: An seinem 61. Geburtstag nahm der Ortsbürgermeister von Bad Münder am Sonntag an der Dachtelfeldhütte das Megaphon in die Hand, um rund 100 Aktivisten aufzufordern, wachsam zu bleiben.


Foto: Ob mit Hund „Othello“, allein oder mit der Familie – viele Bürger machten sich auf den Weg zur Dachtelfeldhütte, um zu zeigen, dass sie für Natur und gegen einen Steinbruch stehen. Foto: weg

Dass gesperrte Straßen und der lange Fußmarsch die 100 Bürger nicht abgeschreckt hatten, am Sternmarsch zur Dachtelfeldhütte teilzunehmen, um sich gegen den Gesteinsabbau einzusetzen, freute Fasse besonders. Aus den Ortschaften Raden, Langenfeld, Barksen/Zersen, Hamelspringe, Bakede, Beber und HülsedeSchmarrie haben sich die engagierten Bürger auf den Weg gemacht. Obwohl das Thema „Gesteinsabbau am Dachtelfeld“ nicht aktuell zur Diskussion stehe, sei es wichtig, wachsam zu bleiben. Schließlich haben die Aktivisten im vergangenen Jahr lediglich eine Vertagung bewirkt. Es ist immer noch möglich, dass das Dachtelfeld ins Landesraumordnungsprogramm aufgenommen wird – und dann könnte der Gesteinsabbau schnell Realität werden.

Bad Münders Bürgermeisterin Silvia Nieber betonte: „Die Abbaugebiete, die schon ausgewiesen sind, reichen, um den Rohstoffbedarf für die kommenden 20 Jahre zu decken.“ Um das Dachtelfeld vor Gesteinsabbau zu schützen, appellierte Nieber, das Gebiet als Flora-Fauna-Habitat auszuweisen, damit es beschützt wird. „Dann wird es sehr schwer für die Steinbruchindustrie, den Rohstoffabbau durchzusetzen“, sagte die Bürgermeisterin. Den Tourismus, der ein wichtiges Standbein für das Weserbergland sei, nannte die Landtagsabgeordnete Ursula Körtner (CDU) als wichtiges Argument gegen den Gesteinsabbau.

Dirk Reineke, Sprecher der AG Bad Münder von der Aktionsgemeinschaft Weserbergland, stellte den Zuhörern, die von den Veranstaltern mit Bockwurst, Kuchen und Kaffee versorgt wurden, auch gleich Alternativen zum Gesteinsabbau im Dachtelfeld vor: Granit könnte demnach aus Süd-Norwegen über See- und Binnenschiffe transportiert werden, denn die Norweger bauen ihre Berge ab, um Siedlungen an der Küste zu schaffen, die nur möglich sind, wenn die Uferregionen etwa Meeresspiegel-Niveau erreichen. Reineke sprach auch von der enormen Belastung der Steuerzahler, denn Massenschuttgüter über weite Strecken mit Lkw zu transportieren, erfordere Straßenerhaltung, Trassenausbau und sorge für eine erhöhte Co2-Emission.

Unterstützt wurde die Aktion auch von Aktivisten aus dem Leinetal. Alferdes Ortsbürgermeister Klaus -Dieter Babitz von der Aktionsgemeinschaft Leinetal „Rettet unsere Finie“ zeigte zusammen mit anderen Mitgliedern seiner Bürgerinitiative Solidarität, indem sie einen weiten Anfahrtsweg und Fußmarsch in Kauf nahmen.

Bürgermeisterin Nieber forderte auf, zukunftsorientiert zu denken: „Wir haben die Erde nur geliehen und müssen sie zurückgeben an unsere Kinder und Enkelkinder.“ Dewezet, 26.06.2003

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