Neue Deister Zeitung am 26.01.2004, Dewezet am 30.01.2004

 

Naturstein GmbH steigt beim Schotterwerk ein

Vor-Ort-Termin im Steinbruch / Zaun verärgert Wanderer

Hamelspringe (gho). Über den Zustand des Gesteinsabbaus im Süntel im Steinbruchoberhalb von Hamelspringe informierten sich jetzt Politiker und Bürger auf Einladungdes Planungs- und Umweltamtes der Stadt Bad Münder. Die Split- und Schotterwerke sollen noch in diesem Jahr voll in die Norddeutsche Naturstein GmbH übergehen.

Fotounterschrift: Betriebsleiter Andreas Günter führte durch das Betriebsgelände. Foto:gho

Mit dabei waren außer einer Handvoll interessierter Bürger der Wanderverein Hamelspringe, der Ortsrat unter Leitung von Ortsbürgermeisterin Susanne Bubat-Hahn, sowie die Mitglieder des Ausschusses für Planung, Umwelt und Verkehr des Stadtrates mit Otto Loevenich als Vorsitzendem sowie Beatrix Nehmann, Axel Drömer und Friedrich Niemeier. Das Planungs- und Umweltamt war vertreten durch Harald Meyer-Achilles und die Forstgenossenschaft als Grundeigentümer durch Werner Speer, Udo von Haaren und den Betreuungsförstern Horst Ebeling vom Forstamt Oldendorf.

Betriebsleiter Andreas Günter hatte die Gäste vor dem Rundgang durchs weitläufige Steinbruchgelände begrüßt und dabei den Bereichsleiter der Norddeutsche Naturstein GmbH, Diplom-Ingenieur Bernd Lohmann, vorgestellt. Dieser erläuterte die Neustrukturierung des Unternehmens mit seinen verschiedenen Produktionsorten. “Durch die Umstrukturierung ändert sich hier im Steinbruch nichts”, versicherte Lohmann. Mit dem “Tag des offenen Steinbruchs” soll die Übernahme in Norddeutsche Mischwerke GmbH begangen werden.

Zur Abbaumenge wurde berichtet, dass der hiesige Betrieb mit seinen acht Vollbeschäftigten die jährlich genehmigten 320 000 Tonnen im Schnitt der letzten zehn Jahre stets um rund 25 000 Tonnen unterschritten habe. Im Übrigen steige oder falle die Abbaumenge mit den Erfordernissen des Straßenbaus, der ja bekanntermaßen schon lange stagniere.”Auch wir sind gezwungen, uns dem Markt anzupassen”, resümierte Betriebsleiter Günter. Auf bereits ausgebeuteten Flächen des Steinbruchs hatten die Forstgenossen im Zuge der Rekultivierung als erstes Erlen gepflanzt, die mit den widrigen Bodenverhältnissen am besten zurecht kämen, wie Förster Ebeling ausführte. Mit 1000 Bergahornen, mehreren tausend jungen Buchen sowie mit verschiedenen Straucharten sei ebenfalls an anderen geeigneten Orten aufgeforstet worden. Leider seien viele Buchen dem trockenen Sommer zum Opfer gefallen, so dass man habe nachpflanzen müssen, berichtete der Förster weiter.

Wenn die begehrten Bodenschätze des Süntels, der oolithische Kalkstein, entstanden aus unvorstellbaren Mengen an Meeresorganismen vor 160 Millionen Jahren im Erdzeitalter des Jura, abgebaut seien, müssten die verbleibenden bis zu 30 Meter hohen Steilwände mit Bermen als Absätzen einen Neigungswinkel von 75 bis 82 Grad haben. Damit sei eine dauerhafte Standfestigkeit gewährleistet, wobei sich auch eine entsprechende Pflanzenwelt ansiedeln könne, erklärte Bernd Lohmann die Rekultivierungsarbeit.

Für etwas Unmut bei den Wanderern sorgt derzeit ein Zaun, der zwar die Wanderer vor der Absturzgefahr bewahrt, jedoch einen viel benutzten Wanderweg am Steinbruch unterbricht. Da von den Steinbruchbetreibern dieser Zaun verlangt wurde, konnte bei der Begehung keine befriedigende Lösung angeboten werden.

Auch in diesem Jahr soll es wieder einen “Tag des offenen Steinbruchs” geben und zwar, wenn die Übernahme in Norddeutsche Mischwerke GmbH erfolgt ist. NDZ am 26.01.04

 

Schaumburger Zeitung, Schaumburg Lippische Landeszeitung, Schaumburger Nachrichten

 

 

Bergabtrag ist momentan nicht vorstellbar"

Schöttelndreier geht auf Distanz zu NNG-Plänen / Kreisverwaltung will    politische Entscheidung

Landkreis/Steinbergen (wer). Die Stadt hat den Abbau des Messingsbergs bereits abgelehnt - jetzt geht auch die Kreisverwaltung auf Distanz: "Ein weiterer Abtrag des Kamms ist derzeit nicht vorstellbar", sagt Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier. Politisch gewinnt damit die vom Naturschutzbund favorisierte "Null-Lösung" an Gewicht.

Der Landkreis kann im bevorstehenden Genehmigungsverfahren des Gewerbeaufsichtsamtes Hannover ein wichtiges Wort mitreden. Der von der Norddeutschen Naturstein GmbH (NNG) angestrebte Abtrag des Kamms nimmt Flächen außerhalb des genehmigten Bereichs in Anspruch, schneidet in das Landschaftsschutzgebiet. Dafür müsste der Landkreis grünes Licht geben. Verbietet er hingen den Eingriff, hätte das Gewerbeaufsichtsamt gute Gründe, die Genehmigung nicht zu erteilen. Allerdings keine zwingenden Gründe: Theoretisch könnte die Behörde in Hannover die Befreiung vom Landschaftsschutz auch selbst durchsetzen.

Festgelegt hat sich die Kreisverwaltung inzwischen auf das Prozedere: Da die Entscheidung von "grundsätzlicher Bedeutung" sei, so Schöttelndreier, soll der Kreistag im Rahmen eines Teillöschungsverfahrens den Erhalt oder Nicht-Erhalt des Landschaftsschutzgebietes beschließen. An diesem Verfahren sollen auch die angrenzenden Gemeinden beteiligt werden, neben Eilsen und Auetal auch die Stadt Rinteln, die sich per Ratsresolution nicht nur gegen einen Abtrag des Kamms, sondern auch für eine Betriebsstilllegung ausgesprochen hat.

Bei der Kreisverwaltung scheint die Stadt zumindest mit der ersten Forderung offene Türen einzurennen: Schöttelndreier zeigt sich skeptisch gegenüber den Plänen der NNG. Momentan sei ein Abtrag nicht zu befürworten. Es sei denn, lässt der Landrat eine Hintertür offen, noch laufende Untersuchungen würden zu dem Ergebnis kommen, dass allein ein Abtrag "zwingend" Sicherheit schaffe. Konkret vermisst der Landkreis den "Beweis", dass auch der Westteil des Berges nach dem Abtrag im Osten standsicher ist. Nur dann wäre das Sicherheitsargument der NNG überhaupt schlüssig.

Ein Beweis, der angesichts der bewegten Vergangenheit auch dieses Teils des Berges seriöserweise kaum zu erbringen ist. Expertisen, die vor dem Bergrutsch erstellt wurden, sprechen ausdrücklich nur von mittelfristiger Sicherheit durch die Vorsprengungen, langfristig - "voraussichtlich in Jahrzehnten" - könne die Stabilität nachlassen. Und ausgerechnet der von der NNG beauftragte Gutachter Dr. Edmund Krauter hat die Sprengungen als untaugliches Bremsmittel seiner Vorgänger disqualifiziert und den Westteil als weiter rutschgefährdet eingestuft (wir berichteten).

Auch der Naturschutzbund, der für eine "Hände-weg-vom-Berg-Variante" plädiert, hatte darauf hingewiesen, dass mit der "Sanierung" des Ostens keine Gesamtsicherheit geschaffen werde und Sperrzonen in jedem Fall eingerichtet würden. Die Abrutschung habe die Sicherheit sogar faktisch erhöht, weil sie eine unbekannte Gefahrenstelle sichtbar gemacht habe.

Offen lässt Schöttelndreier, ob der Landkreis ein unabhängiges Gutachten einfordert, das nicht vom Unternehmen finanziert wird. "Das wird das Verfahren zeigen." Schaumburger Zeitung, 13.05.2006

 

Deister- und Weserzeitung (Dewezet), Schaumburger Zeitung

 

 

Erlebniswelt" braucht noch einmal eine Million Euro

Niedersachsen sagt verlorenen Zuschuss in Höhe von 500 000 Euro zu / Gesellschafter müssen den Rest aufbringen

Weserbergland (ni). Die Erlebniswelt Renaissance (EWR) pfeift elf Monate nach ihrer Eröffnung aus dem letzten Loch. Ohne eine neuerliche Finanzspritze in Höhe von einer Million Euro "hat das Projekt keine Überlebens-chance". Mit dieser Hiobsbotschaft konfrontierte Hameln-Pyrmonts Landrat und EWR-Aufsichtsratsvorsitzender Rüdiger Butte gestern den Hameln-Pyrmonter Kreistag - und überzeugte die versammelten Politiker, noch einmal 300 000 Euro aus Kreismitteln in die Rettung der EWR zu stecken. 500 000 Euro erwartet man vom Land Niedersachsen, 200 000 Euro von den Landkreisen Schaumburg und Holzminden als Mitgesellschafter der EWR GmbH.


Burkhard Borst hat denÜberblick über das gehortete Werbematerial der "Erlebniswelt". Erst wenn die Technik einwandfrei funktioniert, wird es unter die Leute gebracht. Foto: Wal

Es ist ruhig geworden um die Erlebniswelt Renaissance. Zu ruhig. Geschäftsführer Thomas Gersmeier würde das Dilemma gern erklären, "ohne immer wieder das gleiche zu erzählen", aber es gibt keine neue Begründung dafür, dass die Besucher ausbleiben: Der vermaledeite E-Guider, ohne den die Hightech-Inszenierung von Geschichte in Geschichten nun mal nicht läuft, funktioniert immer noch nicht. Weil er nicht funktioniert, "können wir nicht in die Werbung einsteigen", und ohne Werbung bleiben die Besucher weg. So einfach ist das - und so dramatisch für das Projekt, das sich jetzt seit fast einem Jahr mühsam dahinschleppt; das nur mit Bürgschaften ihrer Gesellschafter bis zum heutigen Tag am Leben gehalten werden konnte; und das jetzt seinen Bankrott erklären müsste, wenn Land und Gesellschafter nicht noch mal tief in die Tasche greifen.

"Die Zuwächse bei den Besucherzahlen reichen bei weitem nicht, um zu überleben", so Butte. 11 500 Gäste waren es von September bis Januar, ganze 1850 von Februar bis Ende April. Im Mai und Juni deutete sich ein leichter Aufwärtstrend an - mit immerhin knapp 2700 Besuchern, trotz der schon vor Monaten eingestellten Werbung. Unterm Strich bedeutet das einen Umsatzverlust in Höhe von 800 000 Euro gegenüber den Planzahlen.

Weil der Aufsichtsrat vor dieser Entwicklung weder die Augen verschließen konnte, noch sich von Monat zu Monat weiterhangeln und am Ende auf ein Desaster zusteuern wollte, habe man Nägel mit Köpfen gemacht, so Butte. Gemeinsam mit der Weserbergland AG wurde ein Masterplan ausgearbeitet, "mit Zahlen, die in 2006 und bis Ende 2007 bei realistischer Einschätzung noch zu erreichen sind"; nämlich 12 000 Besucher in diesem, 50 000 im nächsten Jahr "unter der Voraussetzung, dass die Technik Ende August endlich steht". Der Finanzbedarf nach diesem Masterplan: eine Million Euro, und damit eine Summe, "die die Gesellschafter allein nicht wuppen können", sagt Butte. Also habe er sich in seiner Funktion als EWR-Aufsichtsratsvorsitzender mit dem Papier auf den Weg nach Hannover gemacht und im Niedersächsischen Wirtschaftsministerium um Hilfe gebeten. Die sei ihm zugesagt worden.

Nachdem sich das Land mit erheblichem finanziellen Engagement als Geburtshelfer der Erlebniswelt betätigt hat, sieht es sich jetzt offenbar in der Pflicht, seinem touristischen Prestigeprojekt auch beim Laufenlernen unter die Arme zu greifen. Montag kam die schriftliche Zusage des Wirtschaftsministeriums für einen "verlorenen Zuschuss" in Höhe von 500 000 Euro, geknüpft an die Bedingung, dass die drei EWR-Gesellschafter es schaffen, die andere Hälfte der benötigten Million aufzubringen.

Mit dem gestrigen Kreistagsbeschluss hat der Landkreis Hameln-Pyrmont signalisiert, entsprechend seiner Beteiligung von 60 Prozent an der GmbH auch 60 Prozent der erforderlichen Summe beizusteuern. Die Entscheidungen von Schaumburg (über 125 000 Euro) und Holzminden (75 000 Euro) stehen noch aus. Butte gibt sich optimistisch, dass beide Gesellschafter mitspielen werden. Die Alternative hieße nämlich nicht nur, das Projekt Erlebniswelt zu begraben, sondern auch "vor den Banken für übernommene Bürgschaften in Höhe von drei Millionen Euro gerade zu stehen", so Butte.  Dewezet, 19.07.2006, Schaumburger Zeitung,19.07.2006