Leserbrief                         erschienen in der Neuen Deister Zeitung, 9.März 2002

      Zur NDZ-Berichterstattung über den geplanten Gesteinsabbau im Süntel

Ein Trauerspiel

Ist es nicht schön, dass es in der Stadt Bad Münder endlich ein neues Gesprächsthema gibt? Der Deisterpark ist tot, es lebe der Steinbruch Dachtelfeld! Nein, ich finde, das ist traurig. Es ist traurig, wie wieder mal das Wohl weniger über das Wohl aller gestellt werden soll.

Es ist traurig, wie einerseits über den Erhalt der Umwelt gequatscht wird, andererseits wegen ein paar schneller Euro genau diese in die Tonne wandert. Es ist traurig, denn diese schnellen Euro wandern nicht in die Taschen derer, die die zerstörte Natur täglich vor Augen haben und sich wegen des Fehlens der paar Euro auch nicht per Flugbereitschaft in die ganze Welt verfrachten lassen können, nur um dort die Zerstörung u.a. der Tropenwälder anprangern zu können. Es ist traurig, welch Bild wir als Deutsche (also auch ich) in der Welt abgeben, wenn hier ein paar Hanseln vor Baumärkten gegen die Verwendung von Tropenholz demonstrieren, andererseits aber von den Vertretern dieser Hanseln beschlossen wird, die Niedersächsische Tiefebene nach und nach bis Kassel auszudehnen.

Es ist traurig, wie in der laufenden Diskussion um die neuen Abbaugebiete der mündige Wähler versucht wird für blöd zu verkaufen. Natürlich reichen die ausgewiesenen Gebiete für den hiesigen Straßenbau über viele Jahrzehnte, wahrscheinlich länger, als es Autos geben wird. Aber darum geht es ja nicht, denn unsere Berge werden bis ins Ausland verkauft. Es ist traurig, wie eben genau dies den besten Beweis dafür liefert, was Demokratie bedeutet: Viele wählen wenige aus, die diese dann zum Wohle anderer an der Nase herumführen. Es ist traurig, wie sich meine Lehrer in der Schule damlas abgemüht haben, mir die Vorteile des politischen Systems in unserem Lande zu vermitteln, um nun festzustellen, dass sich in deren Lehrstoff einige Fehler befunden haben müssen.

Es ist traurig, dass die derzeitige Diskussion hier in Bad Münder wieder die Lust in mir weckt, an den nächsten Wahltagen mal wieder etwas Produktives zu machen, beispielsweise einen Spaziergang mit der Familie oder einen Kurzurlaub, um an diesem ganzen Schwachsinn nicht teilnehmen zu müssen. Es ist traurig, dass ich mich in meiner besten Arbeitszeit hinsetzen muss, um diese Zeilen zu schreiben, da ich mich genötigt fühle, über mein offensichtlich sinnloses Wahlrecht hinaus, etwas zum Erhalt meiner Heimat zu tun. Es ist traurig, dass dies die gewählten Stadtvertreter eben nicht nötig haben.

Aber eines ist nicht traurig: Der Widerstand formiert sich recht zufriedenstellend. Das lässt hoffen, dass der Gegenwind für dieses Trauerspiel genügend Fahrt gewinnt. Harald Scholz, Bad Münder