Leserbrief, erschienen in der Haz, SN

 

Zu der Sonntagsbeilage "der 7. Tag" vom 8. Dezember 2002 in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, auch in den Schaumburger Nachrichten

Spur der Steine
                      

In dem Artikel "Spur der Steine" berichtet die Haz, daß die in Kürze beginnende einschlägige Ausstellung im Landesmuseum ohne Spenden des Fördervereins "Nachhaltige Wirtschaft" nicht zustande gekommen wäre, und daß diesem Verein viele Mitglieder aus der Steine-und-Erden-Industrie angehören. Dazu fällt mir ein Kernsatz aus der kaufmännischen Berufsschule ein: "Der Kaufmann verschenkt nichts!" Gestein abbauende Unternehmer sind mehr als andere auf Wohlwollen und verständnisvolle Förderung, durch welche Instanz auch immer, angewiesen.

Für die im Umfeld der Großsteinbrüche des Wesergebirges und des Süntels wohnenden Bürger hat der Name des Fördervereins einen bitteren Beigeschmack.

"Nachhaltig wirtschaften" bedeutet für sie, dass sie seit etwa 25 Jahren Detonationen, die an den Bombenkrieg erinnern, starkem Lastwagenverkehr und fensterverdreckender Staubentwicklung ausgesetzt sind. Schlimmer noch ist, daß das Landschaftsbild beider Berggruppen durch die in diesem Zeitraum entstandenen monströsen Krater – hierzu gehört auch der von Ihnen anschliessend porträtierte Messingberg – irreparabel, und damit ebenfalls nachhaltig, geschädigt ist. Als Ausgleich für die jahrzehntelange Beeinträchtigung der Lebensqualität wird dann in dem einen oder anderen Krater als "innovative Anschlußnutzung" eine zentrale Mülldeponie eingerichtet (so jedenfalls hört man es von den Dächern pfeifen). In der Bevölkerung brodelt der Unmut. Ihr wohlwollender Bericht über den Steinbruch am Messingberg vermittelt deshalb nur ein lückenhaftes Bild der Lage vor Ort.

Wenn der Gesteinsabbau in Wesergebirge und Süntel in dem bisherigen Stil fortgesetzt wird, ist diese Region in 20 Jahren nicht mehr als Naherholungsraum oder für sonstige touristische Zwecke zu gebrauchen. Allenfalls ein Eventzirkus á la "Steinzeichen Steinbergen" ließe sich hier und dort noch platzieren. Im kommenden Jahr wird ein Mediationsverfahren eingeleitet werden, das sich mit den angeschnittenen Fragen befaßt. Es bleibt zu hoffen, dass dessen Ergebnisse nicht durch Sponsoring beeinflusst werden; andernfalls könnte man gleich darauf verzichten.

Dr. Fritz-Richard Bartels, Heeßen, den 12.12.02

Herr Dr. Bartels gehört zur Sprechergruppe der Aktionsgemeinschaft Weserbergland - Schaumburger Freunde

Berge