Leserbrief erschienen in der SZ,SLZ,SN

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Zu: “Knorre beim Tourismusverband“

Ministerin eine Freundin der Weserberge?

Wie man vernehmen konnte, hat die niedersächsische Ministerin für Wirtschaft, Technologie und Verkehr, Frau Dr. Susanne Knorre, auf der Tagung des  „Tourismusverbandes Weserbergland e.V.“ in Schloß Hämelschenburg, kürzlich über die Tourismuspolitik des Landes Niedersachsen informiert und gleichzeitig die „Klassische Urlaubsregion Weserbergland“ mit ihren „schönen Berglandschaften“ hervorgehoben. - Sollte Frau Dr. Knorre sich wirklich plötzlich zur Bergfreundin gewandelt haben?

Ihrem Ministerkollegen Heiner Bartling(SPD), der im Schatten der heimatlichen Berge heranwuchs, nimmt man sein Eintreten für die Weserberge ohne weiteres ab, er hat das kürzlich ganz deutlich gemacht und er hat seine erfreuliche Haltung ja auch schon früher bewiesen, als die gierige Steinbruchindustrie den Möncheberg mit der Paschenburg abbauen wollte. Auch andere heimische Politiker von SPD, CDU und den Grünen,  haben kürzlich erfreulicherweise deutlich gemacht, daß sie gegen die weitere Zerstörung der Weserberge sind. Noch ist die Gefahr für die Weserberge allerdings längst nicht vorbei, denn es gibt mächtige Kräfte in der Landespolitik, denen die Berge längst kein Herzensanliegen sind.                          

Dazu zählt sicher auch Frau Dr. Knorre, die zwar auch im Angesicht heimischer Berge geboren wurde, nämlich des Wiehengebirges bei Bad Oeynhausen, aber bislang nicht bewiesen hat, daß sie eine Bergfreundin ist. Ihr ist eher eine technokratische Haltung zu bescheinigen, wobei sie sicher durch ihre Funktionen in der Großindustrie (Preußag-Konzern) geprägt wurde.

Solche Menschen machen sich meist nichts aus Landschaft und Natur. Sie reden von Arbeitsplätzen, wobei sie nicht deutlich machen, daß ein Steinbruch höchstens einem Dutzend Menschen Arbeit verschafft. Wieviel mehr Arbeit wäre durch die Ankurbelung der vernachlässigten Recyclingindustrie(Bauschutt usw. statt Kalkstein) und durch Import von Steinen aus menschenleeren Gegenden(Norwegen z.B.) zu schaffen?!

Aber darum geht es manchen Politikern offenbar nicht, sie wollen vor allem Liebediener der Wirtschaftslobby sein, in diesem Fall insbesondere den Herrschaften von der Steinbruchindustrie, die zwar noch viele schon genehmigte Abbauflächen haben, aber heute schon für ihre Kinder und Kindeskinder vorsorgen wollen durch Freigabe weiterer Berge im Landesraumordnungsprogramm.

Es besteht daher weiter höchste Gefahr für Dachtelfeld, Luhdener Klippen bei Rinteln, Lange Wand(Hainholz) bei Todenmann und Oberberg bei Deckbergen und auch der Möncheberg bei der Schaumburg usw. Die Gefahr besteht durch die Gleichgültigkeit oder den mangelnden Mut  mancher Personen, die uns regieren bzw. gerne (wieder) regieren wollen, auch einmal unangemessener Raffgier von Interessenten aus der Wirtschaft entgegenzutreten. Daher ist es durchaus im Rahmen der Möglichkeiten, daß unsere Heimatliebe mit Füßen getreten wird und kurzfristigen Mammons wegen kommenden Generationen nicht eine „schöne Berglandschaft“ hinterlassen wird, sondern eine weitgehend zerstörte. Wenn wir nicht weiterhin aufpassen!

Frederik Eix, Rinteln, 21.Dezember 2002