Beitrag -  als Leserbrief erschienen in der Schaumburger Zeitung am 18. Juni 2005

    Zur :
    Berichterstattung über die Kames-Hügel -
    Sandabbau der Firma Reese im Kameshügelland im Möllenbecker Wald
    Vom Tarnen und Täuschen 
    der Ausschussmitglieder und der Öffentlichkeit !

    Zur politischen Kultur im Ausschuss:

    Die jüngste Sitzung des Kreisumweltauschusses im Kloster Möllenbeck war eine Farce übelster Sorte. Den erbärmlichsten Eindruck dort hinterließ die SPD. Statt einer aufrüttelnden Rede an die Ausschussmitglieder durch unseren direkten Vertreter mussten wir zur Wortlosigkeit verdammten Zuschauer eine an Arroganz selbst durch die CDU-Beiträge nicht zu toppende Beleidigung vom SPD-Redner Henke aus dem Nordkreis über uns ergehen lassen.
    Sein Einwand, auch Sachsenhagen habe früher mit der undichten Sondermülldeponie ja “genug abgekriegt” und “da sollten wir uns mal nicht so anstellen”, waren noch die zahmeren Worte
    Für die CDU wischte Herr Sassenberg die tags zuvor in der Presse veröffentlichte juristische These des Herrn Neuhäuser vom Tisch,, als handele es sich dabei um einen dummen Jungen. Man mag zu ihm stehen wie man will, in ganz Rinteln hat in der Vergangenheit niemand beständigere und sich später als richtig erwiesene Rechtsstandpunkte vertreten.
    Leider stimmten auch die zwei einzigen heimischen Mitglieder im Ausschuss, Requard und Maack, für die Aufhebung des Landschaftsschutzes.

    Zur Vorlage der Kreisverwaltung:

    Mehrfach ganz besonders Dank der Mitglieder erhielt Frau Krahtz als Kreisbeamtin für ihre hervorragende Ausarbeitung der Beschlussvorlage, dem Antrag der Fa. Reese auf Zerstörung unserer Heimat zuzustimmen.
    Ich selbst kenne deren Inhalt und Aufbau.
    Trinkwasser:
    Dort wird z.B. das wasserrechtliche Bedenken unserer Stadtwerke, dass mindestens fünf Meter Sohldicke über dem Grundwasser erhalten bleiben müssen, kurz mit der Zusage, dies werde eingehalten, kommentiert.
    Bisher liegen 80 Meter Erdreich und ein Wald als Filter über unserem Trinkwasser! Da sollen künftig also fünf Meter Sandreste ausreichen?
    Export:
    Der von der heimischen Politik nicht gewünschte Sand- und Kiesexport in die Niederlande wird ebenfalls verneint. Einziger “Beweis” die Aussage des Antragstellers selbst.
    Fakt jedoch ist, dass die Niederländer selbst die Zerstörung ihrer Heimat durch Gesetze schon vor Jahren verhindert haben. Woher kommt denn der Sand für ihre Häuser? Wer will denn ersthaft ausschließen, dass nicht sofort nach erteilter Genehmigung auch aus Rinteln exportiert wird?

    Zur Zerstörung der einmaligen Heimatlandschaft:

    Die vom Ortsrat Krankenhagen bemängelte unwiederbringliche Zerstörung der Millionen Jahre alten und in unserer Heimat einmaligen Kameshügel wurde in der Vorlage als Umgestaltung des Landschaftsbildes beschönigt! In einem Atemzug erfahren wir von der Abbautiefe von rund 80 Metern! Ein Krater um gleich drei Dorfkirchen übereinander einzugraben!

    Zum “Versorgungsnotstand” dieses Rohstoffes:

    Als Täuschung werte ich den damals von Reese und Braas vorgespielten Versorgungs-Notstand.
    Im Gegensatz zu den Politikern haben wir Bürger nicht nur ein Kurzzeitgedächtnis.
    Die Firma Braas war damals noch ein deutsches Dachziegelwerk, zahlte kräftig Gewerbesteuer an Rinteln und beschäftige 160 Mitarbeiter. Zufällig zugleich mit dem ersten, damals sehr kleinen Abbauantrag der Sandwerke Reese für das Randgebiet des Möllenbecker Waldes lasen wir einen Zeitungsbericht, dass Braas ohne den hochwertigen Sand von Reese die Produktion in Rinteln einstellen müsse. Das immer vortreffliche Druckmittel von Massenentlassungen und Steuerausfällen zwang damals die Stadtverwaltung, dem Abbauantrag zuzustimmen.
    Kaum war die Tinte unter der Genehmigung trocken, erfuhren wir jedoch, dass der heimische Unternehmer drei oder gar vier Wettbewerber hatte, die sofort Braas hätten beliefern können.
    Unter der inzwischen französischen Regie von Lafarge hat es dennoch Entlassungen bei Braas gegeben. Jeder von uns erinnert sich an die damalige Berichterstattung unserer heimischen Presse.
    Nur die Kreispolitiker haben es aus ihrer Erinnerung gestrichen, oder sie heucheln heute Ahnungslosigkeit.

    Von Raumordnungsplänen und deren Aufwertung zum “Gesetz”

    Vor diesem Hintergrund, den Landesraumordnungsplan (er soll übrigens in Kürze umgestaltet werden!) und dem auf ihm fußenden Regionalplan für Raumordnung als eine gesetzliche Grundlage aufzuwerten ( so habe ich es auf der Sitzung gehört) ist eine glatte Lüge. Ein Plan ist ein Plan!
    Der ermöglicht Gewerbetreibenden ihrerseits Planungen. Aber in diesem Plan steht der Möllenbecker Wald als Landschaftsschutzgebiet  (leider noch nicht als Naturschutzgebiet),
    und damit weiß jeder Unternehmer, dass er nicht automatisch einen Anspruch auf Realisierung seiner Anträge in eben diesem Landschaftsschutzgebiet hat.
    Der von Frau Krahtz als “Spielraum Null” vorgeschobene Sachverhalt ist in meinen Augen eine Täuschung von Öffentlichkeit und Umweltausschuss. Warum soll ein Ausschuss überhaupt erst tagen, wenn doch eh` alles schon klar ist? Wieso sollen die bisherigen Raumordnungspläne (natürlich erst nach der angestrebten Genehmigung zur Naturzerstörung) dann plötzlich geändert werden dürfen - wenn sie doch angeblich Gesetzeskraft haben?

    Von der Fähigkeit zu Lernen...

    Als dumme Jungen wurden Rintelner Verwaltung und Stadrat vom Umweltausschuss dargestellt. Warum? Weil Rinteln versucht, einen als Fehler erkannten früheren Beschluss nicht noch durch weiteren Raubbau an unserer Heimat direkt vor der Tür eins drauf zu geben?
    Wo wird es anders als als beim Kreis als Dummheit angesehen, wenn man einen Fehler erkennt und daraus seine Lehre zieht?

    ... und den Konsequenzen:

    Für unsere Heimat ist es Fünf vor Zwölf. Wenn dieser Antrag aus “Teillöschung” aus dem Landschaftsschutzgebiet nicht vom Kreistag abgelehnt wird, gibt es hier künftig keine heimische Landschaft mehr.
    Die Absichtserklärung, die dann noch vorhandenen Reste sogar unter Naturschutz zu stellen, ist blanker Hohn. Es verbleibt ein einziger Hügel, der alleine überhaupt nichts mehr von der bisherigen Einmaligkeit erkennen lassen wird.
    Und dieser klägliche Rest soll es sogar wert sein, Naturschutz zu genießen,
    während die noch existierende Gesamtlandschaft
    nicht einmal landschaftswürdig ist ?

    Martin Kampmeier, Krankenhagen

    Zur Dokumentationsseite: Kameshügel-Kahlenberg - Kies im Wald

 

    Die Aktionsgemeinschaft Weserbergland - Schaumburger Freunde

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