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Schluss machen mit dem Gesteinsabbau
zum Bericht “Steilwand stürzt auf 300 Metern Länge ein” vom 13.Dezember
Oft nähere ich mich auf meinen Reisen von Norden her
kommend dem Schaumburger Land. Lange, bevor es soweit ist, warte ich auf das Auftauchen der Berge am südlichen Horizont und bin wieder glücklich, wenn mich die Berge der Heimat aufs Neue umgeben. Das
Bergland hat eine fein gegliederte Struktur, fast filigranartig. Vom Flugzeug aus ist es am besten erkennbar, wie fein, ja verletzlich und deshalb schutzbedürftig. Aber wird es geschützt?, fragt sich
der Beobachter, wenn er beispielsweise von Obernkirchen über Buchholz ins Wesertal nach Rinteln fährt. Freilich gibt es viele solcher Stellen, die, Wunden gleich, von Gewalt - statt von
Schutzmaßnahmen zeugen. Die Pläne für weitere derartige “Sünden” liegen schon in den Schubladen.
Ich sage “Sünden” und meine es auch so. Ich würde auch
gerne vergeben, aber ich weiß nichts von Reue, nur von trotzigem Widerstand, geheimer Raffgier und raffinierter Verschleierung: Aufpolierung des Firmenimages durch Werbung, Bau eines Aussichtsturmes
(gegenüber steht schon einer), Veranstaltung von Konzerten (veranstaltet für eine Klientel, deren Kritikfähigkeit solcherart eingelullt werden soll ), Darbietung von “Naturparadiesen aus zweiter
Hand” durch Medien, ja sogar interreligiöse Diskussionsforen. Was für ein Aufwand, nur um sich und seine Geschäfte unangreifbar zu machen! Wirklich schade, dass sich auch Segmente von Politik und
Kirche in diese offensive Geschäftspolitik einspannen lassen. Aber was Wunder, nach allem was über die Verflechtungen politischer und wirtschaftlicher Interessen, auch von Einzelpersonen neuerdings
bekannt geworden ist.
Bevor gehandelt, das heißt abgebaut wird, werden im
Halbdunkel Gesetze gezimmert, die der Ausführungen der Planung den Anschein der Rechtmäßigkeit verleiht. So jedenfalls muss es dem außenstehenden Bürger erscheinen.
Die sattsam bekannte Kritik der Kritiker will ich einmal
vorwegnehmen: “Der autofahrende Bürger will mehr Straßen”, Aber was inzwischen alle wissen, geben die Nutznießer des Gesteinsabbaus vor, nicht zu wissen. Mehr Straßen, mehr Lärm, mehr
Bodenversiegelung, mehr Überschwemmung, geringere Grundwasserqualität, mehr CO2-Ausstoß, mehr Klimaverschlechterung, mehr Naturkatastrophen. Meine Güte: Schon jeder Grundschüler bekommt dieses Wissen
vermittelt! Die Steinbruchbetreiber aber handeln so, als wüssten sie von alledem nichts.
Und noch etwas: Die Erlöse aus den Gesteinsverkäufen sind
von uns aufgebrachte Steuergelder, vom Staat abgezweigt und einem Zweck zugeführt, den wir als Bewohner der betroffenen Region und als mündige Bürger nicht billigen.
Machen Sie also Schluss mit dem Gesteinsabbau, meine
Herren, und warten Sie nicht, bis die Natur, der Gewalt angetan wurde, zurückschlägt.
Alfred Hänsel, Rinteln

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