Intakte Berge, die wir, die Aktionsgemeinschaft Weserbergland (AGW), unbedingt erhalten wollen!

. Aktuelle Nachricht am 16.MĂ€rz 2005 in der Neuen-Deister-Zeitung:HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der UnternehmerverbĂ€nde Niedersachsen, Volker MĂŒller, will auch auf das Dachtelfeld als Rohstoffgewinnungsgebiet fĂŒr die Industrie nicht verzichten mĂŒssen ! Zum Artikel

Das ist Schaumburg!   Rosenthal        Hier ein Blick vom Möncheberg/Wesergebirge ins`Wesertal vom 7.6.06

Die “alte Grafschaft Schaumburg” - ein kleiner geschichtlicher Spaziergang

    Die enge, noch heute mit Kopfstein gepflasterte Dorfstraße im Ort Schaumburg-Rosenthal windet sich
    in steilem Anstieg den Berg hinauf zur Burg Schaumburg auf den Nesselberg,
    dem frĂŒheren Sitz der Schaumburger Grafen, die der Landschaft nicht nur ihren
    Namen gaben, sondern sie ĂŒber Jahrhunderte prĂ€gten.             
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    Eine Zeitreise
    Der Name Schaumburg, die Grafen und die Grafschaft Schaumburg
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    Um das Jahr 1100 tauchte in der geschichtlichen Überlieferung das Geschlecht der Schaumburger
    plötzlich an der Weser auf. Nachdem unter Karl dem Großen die Grund- und Lehensherrschaft
    eingefĂŒhrt worden war, wurde das Land in HerzogtĂŒmer eingeteilt. Die Herzöge ließen ihre
    LĂ€ndereien von Grafen verwalten. Vom Herzog Lothar von Sachsen erhielt Adolf von Santersleben,
    der sich der “Edle von Schaumburg” nannte, die LĂ€ndereien Schaumburg, Holstein und Storman
    als Lehen und wurde nun Graf von Hostein und Schaumburg. Sein ehemaliges Jagdhaus, oben auf
    dem Nesselberg gelegen, wurde wahrscheinlich von seinem Sohn Graf Adolf II. zur Burg ausgebaut
    und fortan Wohnsitz. So entstand im Jahre 1100 die Grafschaft Schaumburg.
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    Der Herzog hatte, wie sich herausstellen sollte, in seiner Entscheidung, wen er fĂŒr die LĂ€ndereien
    als Graf einsetzen sollte, eine gute Wahl getroffen. Die Schaumburger Grafen haben in der
    Geschichte der nordischen LĂ€nder eine bedeutsame Rolle gespielt, die sich nicht nur auf den
    Weserraum beschrÀnkte. Sie gelten als Motoren der deutschen Ostkolonisation.
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    1143 grĂŒndete Graf Adolf der II. an gĂŒnstiger Stelle die Hansestadt LĂŒbeck.
    Die Schaumburger knĂŒpften die Verbindung nach Schleswig - Das Schaumburger Nesselblatt
    findet sich noch heute im Landeswappen von Schlewig-Holstein, grĂŒndeten den Hamburger Hafen
    und auch im Weserraum erwuchs ihnen aus bescheidenen AnfĂ€ngen heraus eine immer grĂ¶ĂŸere
    Bedeutung zu. Um 1225 entstand die erste Stadt der Grafschaft Schaumburg, “Grevenalveshagen-
    Graf Adolfs Hagen - heute Stadthagen, Kreisstadt des Landkreises Schaumburg und
    um 1230 die StÀdte Rinteln und Oldendorf (heute Hess. Oldendorf im LK Hameln-Pyrmont).
    Am Ende des 14. Jahrhunderts, von 1370-1404, hatte die Grafschaft Schaumburg ihre
    grĂ¶ĂŸte Ausdehnung - Von der im Mittelpunkt gelegenen Burg Schaumburg, erstreckte sie
    sich von Barntrup bis zum Steinhuder Meer, von Hameln bis vor die Tore Mindens.
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    Zur höchsten BlĂŒte gedieh die Grafschaft Schaumburg unter dem Grafen Ernst (geb.1570,gest. 1622).
    Er ordnete Finanzen, Verwaltung und Schulwesen und galt als einer der besten und reichsten FĂŒrsten
    seiner Zeit (1620 hatte Graf Ernst vom Kaiser Ferdinand den Titel einesReichsfĂŒrsten erhalten).
    Unter Graf Ernst zu Schaumburg entstanden die prachtvollsten Bauten der Weserrennaissance (ein
    eigener Baustil, der sich hier an der Weser entwickelte), in BĂŒckeburg das Schloß und die Schloß-
    kapelle, sowie die RathÀuser in Stadthagen und Rinteln.
    1621 erhielt FĂŒrst Ernst die UniversitĂ€tsprivilegien fĂŒr Rinteln, die bis 1809 UniversitĂ€tsstadt blieb.
    Sofort nach seinem frĂŒhen Tod (beigesetzt 1622 in Stadthagen) warf der DreißigjĂ€hrige Krieg seine
    Schatten auf das Amt Schaumburg. Die Grafschaft war mehrmals Ziel von verheerenden Besetzungen,
    noch mehr Opfer forderte die Pest.
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    Als im November 1640 mit Otto V. der letzte Schaumburger der mÀnnlichen Linie unter mysteriösen
    UmstÀnden starb (man vermutet, er sei vergiftet worden), stritt man sich sieben Jahre um das reiche
    Erbe der Schaumburger. Graf Philipp zu Lippe Alverdissen erlangte durch Heirat mit einer hessischen Prinzessin die UnterstĂŒtzung Hessens und bekam dadurch im WestfĂ€lischen Friden nicht die Belehnung mit der ganzen Grafschaft Schaumburg, aber die Teilung (1647). Er erhielt den nördlichen Teil (mit BĂŒckeburg und Stadthagen), der sĂŒdliche
    an der Weser (mit Rinteln und Hess. Oldendorf und den Schaumburger Bergen) ging an Hessen.
    Die UniversitÀt Rinteln, die Weserzölle und die Kohlenbergwerke blieben gemeinsamer Besitz
    Hessens und Schaumburg-Lippes, wie der nördliche Teil fortan genannt wurde.
    Das Lippische Erbe, bestand seit 1807 unter dem Namen FĂŒrstentum Schaumburg-Lippe weiter,
    die hessische HĂ€lfte entlang der Weser wurde zu Hessischen Grafschaft Schaumburg.
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    1821 kam der sĂŒdliche Teil rund um die Burg Schaumburg im Wesertal, als Kreis Schaumburg zur
    Provinz Niederhessen, 1866 wurde er kurzfristig der preußischen Provinz Hessen-Nassau angeschlossen,
    1932 wurde diese “alte Grafschaft Schaumburg” im Zuge eines Gebietsaustausches der
    Provinz Hannover angegliedert. 1946 verlor auch der nördliche Teil, das FĂŒrstentum Schaumburg-Lippe,
    seine SelbststÀndigkeit und wurde als Landkreis Schaumburg-Lippe ein Teil des neuen Bundeslandes
    Niedersachsen ( welches nunmehr 60 Jahre alt wird - 2006).
    Kreisstadt des sĂŒdlichen Teils, des Landkreises Grafschaft Schaumburg, wurde und war Rinteln.
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    Im Zuge der Kreisreform von 1977 wurde beide ehemals getrennten Teile verwaltungsmĂ€ĂŸig wieder
    zusammengefĂŒhrt und zu einem Landkreis Schaumburg mit der heutigen Kreitstadt Stadthagen verbunden. UnverstĂ€ndlich fĂŒr viele Menschen der Grafschaft Schaumburger Bevölkerung (Wesertal und Auetal) blieb, warum das Steinhuder Meer und der Raum um Hess. Oldendorf dabei ausgegliedert wurde - fĂŒr die “Grafschafter” im sĂŒdlichen Teil ist die heimliche und eigentliche Hauptstadt nach wie vor Rinteln. Wie auch immer:
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    Abwechslungsreich und vielfĂ€ltig prĂ€sentiert sich heute das Schaumburger Land, vom Weserbergland bis an das Steinhuder Meer. Die Menschen, die in diesen Landstrich leben und ihn prĂ€gen, haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Daß die “ehemalige Grafschaft Schaumburg” in den letzten 370 Jahren zweigeteilt war , diesen Unmut darĂŒber spĂŒrt man schon noch, sicher eine Besonderheit in Deutschland. Im Nordkreis um Stadhagen herum sieht man sich als Schaumburg-Lipper und im SĂŒdkreis im Wesertal rund um Rinteln und die Burg Schaumburg begreift man sich als Grafschaft Schaumburger - “Wir waren schon viel, aber niemals Schaumburg-Lippe!” ist ein immer noch oft und gern gehörter Ausruf im SĂŒdkreis der ehemaligen Grafschaft. 
    Schaumburger sind sie allerdings alle gern und ĂŒberzeugt, der Name verbindet.
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    Wahrzeichen der Region - der alten Grafschaft Schaumburg - und nunmehr auch
    Namensgeber des Landkreises Schaumburg ist “ Die Burg Schaumburg”, dessen Name vor mehr als
    900 Jahren erstmals in den GeschichtsbĂŒchern auftauchte. Mit Menschen, deren IdentitĂ€t sich nicht nur
    auf die Sprache und verwaltungsmĂ€ĂŸige Zugehörigkeit, sondern eben auch auf das Land und die Landschaft
    als ganz besonderen Heimatraum bezieht - einer sowohl Ă€ußerst geschichtrĂ€chtigen, als auch
    landschaftlich reizvollsten und schönsten Regionen Niedersachsens und Deutschlands.

 Der Möncheberg (336 Meter)  Die höchste Erhebung un das HerzstĂŒck des Wesergebirges in der Weserkette - mit Paschenburg und Schloß, Burg Schaumburg weckt die Begehrlichkeiten der Rohstoffindustrie - Mehr dazu hier klicken

Das Dachtelfeld   - HerzstĂŒck des SĂŒntels der Weserbergkette

    Das nach den Planungsunterlagen der Landesregierung fĂŒr den Gesteinsabbau vorgesehene Gebiet "Dachtelfeld" ist eine weitrĂ€umige bewaldete HochflĂ€che im Herzen des SĂŒntels, deren Zentrum Wanderer von allen Seiten erst nach mindestens einstĂŒndigem Fußmarsch erreichen können.

    Gerade darum wird sie zu allen Jahreszeiten und Wochentagen gern aufgesucht. Der VerkehrslĂ€rm von der Autobahn und aus dem Wesertal dringt nicht bis hierher, und man tritt sich an Sonn- und Feiertagen nicht wie am benachbarten Hohenstein gegenseitig auf die FĂŒĂŸe.

    Das Schaumburger Land ist mit 246 Einwohnern je km2 der am dichtesten besiedelte Landkreis Niedersachsens. Er ist stark zersiedelt und auf geeignete NaherholungsrĂ€ume angewiesen. Auf das "Dachtelfeld" kann im Interesse der BĂŒrger schon deshalb nicht verzichtet werden, weil es ein Waldgebiet vergleichbarer QualitĂ€t im gesamten Landkreis nicht gibt.

    Namenspate des vorgesehenen Abbaugebietes war das historische Dachtelfeld, das nur der sĂŒdliche AuslĂ€ufer dieser grĂ¶ĂŸeren HochflĂ€che ist. Es handelt sich bei ihm um eine annĂ€hernd kreisförmige FlĂ€che von etwa 800 m Durchmesser, deren RĂ€nder nach SĂŒden und Nordosten steil zum Tal hin abfallen; vom östlich benachbarten Bakeder Berg ist sie durch einen flachen Einschnitt getrennt.

    Dieser morphologisch auffĂ€llige Waldabschnitt wurde in den Jahren 1684 bis 1696 abgeholzt und seitdem als Viehweide genutzt. Auf der Karte der kurhannoverschen Landesaufnahme von 1782 ist die Weide mit einem Hirtenhaus in der Mitte exakt eingezeichnet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts ist die FlĂ€che dann wieder aufgeforstet worden. Erhalten blieb nur eine kleine Waldwiese im Zentrum, an deren Rand sich vier prĂ€chtige gut 100 Jahre alte SĂŒntelbuchen erheben.

    Im gesamten SĂŒntel (in dem diese seltene Buchenabart entstanden ist) gibt es höchstens noch 15 vergleichbare Exemplare. Unter anderem deshalb ist die sĂŒdliche HĂ€lfte des historischen Dachtelfeldes in das Naturschutzgebiet Hohenstein einbezogen worden.

    Das alte Dachtelfeld hatte in der VolksĂŒberlieferung, die bis heute lebendig geblieben ist, immer eine herausragende Bedeutung. So soll hier die fĂŒr das Jahr 782 urkundlich bezeugte Schlacht zwischen den Sachsen unter Herzog Widukind und den Franken stattgefunden haben, in der ein großes frĂ€nkisches Heer  vernichtend geschlagen wurde.

    Das Dachtelfeld ist  neben dem Hohenstein  auch Schauplatz der unheimlichen und darum einprĂ€gsamen Sage vom "Weißen Hirsch auf dem Dachtelfelde", die Aufnahme in "Niedersachsens Sagenborn" fand und darum frĂŒher jedem VolksschĂŒler bekannt war. Nicht zuletzt genießt das  Dachtelfeld seit Jahrhunderten einen besonderen Ruf wegen seiner einzigartigen Pflanzenwelt. In Merians Topographie der HerzogtĂŒmer Braunschweig und LĂŒneburg von 1654 heißt es, das Dachtelfeld sei berĂŒhmt "wegen seiner heilsamen und seltenen Pflanzen, die daselbst in großer Menge wachsen und auch gefunden werden". Otto von Heinemann wiederholt diese Feststellung in seinem 1858 erschienenen Werk

    "Das Königreich Hannover und das Herzogtum Braunschweig in malerischen Originalansichten". Der Heimatdichter Bernhard Flemes pries in den 1920er Jahren die "goldenen Trollblumen auf dem Dachtelfeld" und noch heute erfreut den Wanderer auf der gesamten vom Abbau betroffenen HochflĂ€che ein Meer von bunten, z.t. selteneren FrĂŒhlingsblumen, z.B. auch ĂŒppige MĂ€rzenbecherbestĂ€nde.

    In diesem Bereich befinden sich auch zwei bronzezeitliche HĂŒgelgrĂ€ber. Eines der beiden ist als kulturgeschichtliches Denkmal in das beim NiedersĂ€chsischen Landesamt fĂŒr Denkmalschutz gefĂŒhrte Denkmalverzeichnis eingetragen. Beide GrĂ€ber wĂŒrden dem Abbau zum Opfer fallen.

    Am oberen sĂŒdlichen Hang der fĂŒr den Abbau vorgesehenen HochflĂ€che entspringen verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig starke Quellen, u.a. die Blutbachquelle, die die BĂ€che im Wellergrund und im Totental speisen. Diese BĂ€che sind mitbestimmend fĂŒr das reizvolle Landschaftsbild im Naturschutzgebiet Hohenstein. Nach dem Abtrag ihres Einzugsgebietes im Zuge des Gesteinsabbaus werden sie weitgehend versiegen. Damit wĂŒrde das Naturschutzgebiet entwertet und möglicherweise  die Trinkwasserversorgung der umliegenden Ortschaften gefĂ€hrdet.

    Die in den Planungsunterlagen ausgewiesene LagerstĂ€tte misst in der LĂ€nge zwei km und in der Breite bis zu einem km. Da die abbauwĂŒrdige Gesteinsschicht mit durchschnittlich 25 m MĂ€chtigkeit vergleichsweise flach ist und erhebliche Kosten fĂŒr Infrastrukturmaßnahmen anfallen wĂŒrden, mĂŒsste sie in vollem Umfang fĂŒr den Gesteinsabbau in Anspruch genommen werden. Dadurch wĂŒrde im Laufe der Jahrzehnte eine Industriebrache mit der kaum vorstellbaren GrĂ¶ĂŸe von 150 bis 180 Fußballfeldern entstehen. Ein fĂŒr die BĂŒrger der Region unverzichtbares und botanisch unersetzliches Naherholungsgebiet wĂŒrde damit auf Dauer vernichtet; denn Pflanzenreichtum und  -vielfalt beruhen auf dem kalkhaltigen Untergrund, der dann abgebaut ist. Dem Abbau wĂŒrde auch ein Teil des historischen Dachtelfeldes zum Opfer fallen. Die PlĂ€ne sparen allerdings die stille Waldwiese mit den alten SĂŒntelbuchen aus. Dort wĂ€re es dann aber nicht mehr still und die Zugangswege wĂ€ren abgeschnitten. Nach kurzer Zeit wĂ€re der jetzt so reizvolle Platz, wie im Umfeld von SteinbrĂŒchen dieser GrĂ¶ĂŸenordnung ĂŒblich, verwahrlost und könnte getrost dann auch noch aufgegeben werden. Damit wĂ€re es unserer Generation gelungen, einen landeshistorisch bedeutsamen Ort, der von unseren Vorfahren ĂŒber 1000 Jahre in Ehren gehalten worden ist, auf der Landkarte auszuradieren.

    Die GrĂŒnde fĂŒr den Gesteinsabbau ĂŒberzeugen nicht. Die Versorgung der niedersĂ€chsischen Wirtschaft mit Rohstoffen ist durch bereits erteilte Abbaugenehmigungen fĂŒr Jahrzehnte sichergestellt. Alle UmstĂ€nde sprechen dafĂŒr, dass die geplante Maßnahme vorrangig dem Zweck dient, der Firma, die in der Vergangenheit der Landschaft am Ith irreparable SchĂ€den zugefĂŒgt hat, ein weiteres BetĂ€tigungsfeld in Niedersachsen zu erschließen. Sie ist Hauptnutznießerin des geplanten Steinbruchs, daneben freilich auch (in geringerem Umfang) der Landesfiskus und einige  wenige BĂŒrger -als EigentĂŒmer der benötigten GrundstĂŒcke erhalten sie Abbauzinsen. Nicht ohne Pikanterie ist die Frage, wer eigentlich vom Gewerbesteueraufkommen profitiert.

    Die am stĂ€rksten von Schwerlastverkehr und Immissionen betroffene Gemeinde wird die Samtgemeinde Auetal sein. Sie erhĂ€lt nichts, weil der Steinbruch nicht im Gemeindegebiet betrieben wird. Er liegt vielmehr im Grenzbereich der Samtgemeinde Rodenberg sowie der StĂ€dte Bad MĂŒnder und Hessisch Oldendorf.

    Aber auch diese Gemeinden hĂ€tten keinen Grund zur Freude. Bei mehreren BetriebsstĂ€tten wird das Gewerbesteueraufkommen entsprechend der Lohn- bzw. Gehaltssumme der in den BetriebsstĂ€tten beschĂ€ftigten Arbeitnehmer aufgeteilt. In der "BetriebsstĂ€tte Steinbruch" werden nur wenige branchenĂŒblich entlohnte Arbeiter beschĂ€ftigt werden. Die hochbezahlten Angestellten dagegen (GeschĂ€ftsfĂŒhrung, Verwaltung, Vertrieb) sind in der Firmenzentrale in Hannover tĂ€tig. Der Löwenanteil der Gewerbesteuereinnahmen steht also der Landeshauptstadt Hannover zu. Zu Lasten der LebensqualitĂ€t im Schaumburger Land fallen also in Hannover Gewinn, Abbauzinsen und Gewerbesteuer an.

    Angesichts dieser Interessenschieflage kann ein Gesteinsabbau am Dachtelfeld nicht hingenommen werden. Er ist im ĂŒbrigen bereits aus landeshistorischen GrĂŒnden abzulehnen.

    Vorstellung von Dr. Fritz Richard Bartels  (Schaumburger Freunde)

    

    Der Mönchberg (336 Meter, höchste Erhebung des Wesergebirges) mit Paschenburg und Schloß Schaumburg

Der Möncheberg

    Oberhalb der Burg Schaumburg , die also der ganzen Region ihren Namen gab, ragt aus der langen, schmalen Kette des Wesergebirges der Möncheberg hervor. Sein Korallenoolith, ein Kalkstein, weckt die Begehrlichkeiten der Rohstofffirmen. Ca 130 Mill. Tonnen, die sich auf 190 ha FlĂ€che erstrecken, sollen hier abgebaut werden. Erschreckend ist das Ausmaß des geplanten Kraters, der etwa vier Kilometer lang, einen Kilometer breit und bis zu 100 Meter tief wĂŒrde.Die Menschen fĂŒrchten sich vor den Begleiterscheinungen, die sie in der Umgebung vielfach vor Augen haben:

      • stĂ€ndige Sprengungen und BodenerschĂŒtterungen mit SchĂ€den an den HĂ€usern, Luftverschmutzung
      • staubgraue WĂ€lder
      • Versiegen von Gemeindebrunnen
      • stĂ€ndiger Schwerlastverkehr auf engen Ortsdurchfahrten, mit Gefahren fĂŒr Kinder, mit LĂ€rm, Dreck und Abgasen

    Die Propagandisten dieses Vorhabens appellieren sehr geschickt an das Gewissen der BĂŒrger, doch ja nicht vor lauter Eigennutz die Interessen der Allgemeinheit aus den Augen zu verlieren, die mit denen der Unternehmen identisch seien. Das Material sei unentbehrlich fĂŒr die Bauwirtschaft und den Straßenbau im gesamten norddeutschem Raum, bei lĂ€ngeren Anfahrtswegen entstĂŒnde auch mehr Umweltbelastung, und außerdem schaffe man etwa 30 ArbeitsplĂ€tze.

    Mit dieser Logik kann man natĂŒrlich ganz Deutschland plattmachen. Die örtlichen Politiker werden mit der Aussicht auf Gewerbesteuer gelockt, außerdem bringt der Verkauf des Landes, dass grĂ¶ĂŸtenteils Staatsforst ist, mehr ein, als die Forstleute jemals erwirtschaften könnten. Wenn das Vorkommen ausgebeutet ist, soll renaturiert werden. Wir schaffen Natur aus zweiter Hand, so die jeweiligen Antragsteller. Doch wie man sich dieses bei den verbleibenden SteilwĂ€nden vorstellt, ist rĂ€tselhaft. Es gibt nur Negativbeispiele in der nĂ€heren Umgebung. Doch diese Argumente sind leicht zu widerlegen. Es ist nĂ€mlich so, dass die AbsatzmĂ€rkte gar nicht mehr in der Region liegen, sondern weit ab. Jede Menge Baumaterial kann man aus Skandinavien holen, bzw. aus vorhandenen schon genehmigten SteinbrĂŒchen und brauchte nicht in unserem dicht besiedelten Land noch verbliebene landschaftsprĂ€gende Naturschönheiten fĂŒr alle Zeiten zerstören.

    Eine andere Frage ist die Belastung der AtmosphĂ€re durch Abgase und durch das Verschwinden von ganzen WĂ€ldern, die hier eigentlich wichtige reinigende Aufgaben ĂŒbernehmen. Eine Frage, die niemand beantworten kann.

    Mit dem Möncheberg wĂŒrde auch ein wertvoller Lebensraum fĂŒr seltene Tiere und Pflanzen vernichtet werden. Der ganze Berg liegt im Landschaftsschutzgebiet. Er ist zum kleineren Teil mit Nadelwald, zum grĂ¶ĂŸeren besteht er allerdings aus naturnahem Laubwald. Im FrĂŒhling blĂŒhen auf den Kammlagen u.A. MĂ€rzenbecher, Hohler Lerchensporn, Busch-Windröschen, Gelbes Windröschen, Gemeines Lungenkraut und BĂ€rlauch.

    Als schĂŒtzenswert ausgewiesen:

      Hohe SchlĂŒsselblume
      Duftende SchlĂŒsselblume
      Wildes Silberblatt, GroßblĂŒtiger Fingerhut
      Hirschzungenfarn
      Gemeiner Seidelbast
      Wildapfel
      Eibe

    An Tieren leben dort unter anderem seltene Fledermausarten und der Uhu.

    Einseitige Wirtschaftinteressen stehen auch hier gegen Naturschutzinteressen. Das LROP weist die letzten Berge der Wesergebirgskette als Vorsorgegebiet fĂŒr Rohstoffgewinnung aus. (Der Kamm des Wesergebirges wurde Ende 2003 zum Naturschutzgebiet erklĂ€rt) Schon einmal 1992/93 konnte dieser Wunsch auf Abbau des Möncheberges abgewendet werden, dank großer Proteste von engagierten Natur- und Heimatfreunden. Doch immer wieder, wie jetzt auch wieder 2002 gerĂ€t er in das Visier der Rohstoffindustrie und damit als mögliches Abbaugebiet fĂŒr das Land, trotz Vorrang zur Trinkwassgewinnung und Erholungsnutzung, Wald- und Forstwirtschaft. Man will sich alle Optionen offenhalten und möchte die “vermeintliche” LagerstĂ€tte Möncheberg vom Steinbruch Rohden aus (Dieser Steinbruch ist bereits ausgebeutet und mĂŒsste schon lange rekultiviert sein. Die letzte Karre wird allerdings deshalb nicht herausgefahren) erschließen.

    Der Möncheberg ist ein beliebtes Ausflugsziel fĂŒr den gesamten Raum, aus dem nahegelegen Hannover wird er hĂ€ufig angefahren. Ebenso wird er natĂŒrlich zur Erholung der Schaumburger genutzt.  Auf dem Kamm liegt die Paschenburg, eine beliebte Anlaufstelle fĂŒr Wanderfreunde und Natur- und Kulturliebhaber. Ein weit verzweigtes Wanderwegenetz durchzieht das gesamte Gebiet. Zu den NaturdenkmĂ€lern gehören z.B. das Meumekenloch unterhalb der Paschenburg. Dieser Teil des Berges hieß frĂŒher Osterberg. Noch heute zeugt der Name des Weges Osterstieg daraufhin, der sich auch gehalten hat. Hier bei der höchsten Erhebung des Möncheberges fanden die Osterfeuer zu Ehren der Göttin Ostara statt, die weit ins  Land hinaus leuchteten. Die Paschenburg selbst, ist keine Burg im eigentlichen Sinn, sondern ein von  Förster Kayser 1842 erbautes Gasthaus, welches in dieser Tradition auch weitergefĂŒhrt wird. Diese Zuwegung zur Paschenburg wĂŒrde durch einen geplanten Steinbruch ebenfalls aus dieser Richtung nicht mehr möglich sein. Die Passstraße  wĂŒrde ebenfalls verschwinden.

    Vorstellung von Dr. JĂŒrgen Probst (Verein Schönes Rohden) und Elke Reineking (Schaumburger Freunde)

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    FĂŒr eine vergrĂ¶ĂŸerte Ansicht auf die Karte klicken!

Der Oberberg (325Meter)

    Der Oberberg schließt sich direkt an den Möncheberg an. Die Vegetation, Flora und Fauna, ist die Gleiche wie beim Möncheberg. Hinzu kommt noch das Naturdenkmal Springende Steine. Es ist ebenso ein beliebtes  Wander- und Erholungsgebiet.

    Es findet sich auch noch, allerdings in TrĂŒmmern, die Osterburg. Sie war im 12. Jahrhundert im Besitz des Edlen Thuringus.

    Im Möncheberg und Oberberg, als noch zusammenhĂ€ngender BergrĂŒcken, muss daher schon deshalb die Rohstoffgewinnung abgelehnt werden, weil sich hier, verwandt dem Alpenraum, typische Pflanzen- und Tiergesellschaften finden. Einige Hochwiesen werden auch heute als Viehweide genutzt.

    Diese beiden, noch heilen Berge in ihrer Gesamtheit, sind darĂŒber hinaus die einzigen Zeugen dafĂŒr, wie das Wesergebirge einmal ausgesehen hat- wunderschön. Daher sind es Landschaftsschutzgebiete (die Menschen sollen Anteil nehmen und sich in ihnen bewegen können; In Naturschutzgebieten wird dieses sehr stark eingeschrĂ€nkt) und Trinkwasservorranggebiete einerseits, andererseits unentbehrlich fĂŒr die Erholung durch das Erleben von Natur- und Wald.

Die Lange Wand, das Hainholz

    Dieser Berg der Wesergebirgskette ist 320m hoch und gehört zusammen mit den Luhdener Klippen
    zu den Rintelner Hausbergen.
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                                                    Norden
    Westen Osten
                                                    SĂŒden
    Wie alle Berge des Wesergebirges hat auch dieser einen Steilhang zum Wesertal hin - die Felsnasen
    zur SĂŒdseite sind hier allerdings weniger hoch und schroff als bei den anderen Bergen.
    Die Lange Wand ist ĂŒberwiegend mit heiteren und lichten LaubbĂ€umen bewaldet, die WĂ€lder sind Staatsforst. Der Wald- und Naturfreund kann den Berg auf einem schönen breiten Weg mit harmonischen SchwĂŒngen umrunden. GeschĂ€tzt und genutzt wird er ebenso von den Wanderern, LĂ€ufern, Radfahrern und auch Langlaufskifahrern. Im SpĂ€tsommer findet hier der beliebte Luhdener Wettlauf “Rund um die Lange Wand” statt. Schöne Ausblicke auf BĂŒckeburg und Bad Eilsen, sowie auf Obernkirchen kann man von der Nordseite ebenso genießen, wie auch hin zum Harrl und die BĂŒckeberge jenseits des lieblichen  Auetals.
    Ein Teil des Rundweges gehört zum EuropÀischen Fernwandeweg (Nordsee-Bodensee-Gotthard-Mittelmeer)
    An der Nordwestseite des Berges unterhalb des “Schermbecker Passes” liegt am Wiesenhang das altbekannte “Gasthaus Schinkenkruse”, am sĂŒdöstlichen Fuße der “Langen Wand”,
    also zwischen “Hainholz” und “Luhdener Klippe” liegt direkt am Hochwald
    das Hotel und die LokalitĂ€tenbrauerei  “Der Waldkater”.
    Auf einem Vorberg im SĂŒden findet man die HĂŒnenburg, die vermutlich im 11. oder 12. Jahrhundert auf dieser Bergkuppe erbaut wurde., die hier zu findenden Mauerreste sind freigelegt und restauriert worden und die GebĂ€ude sind auch gut zu erkennen. Bei der Freilegung Ende des letzten Jahrhunderts hat es viele Funde gegeben, die als Therorie vermuten lassen, dass die Burg sogar noch Ă€lter sein könnte und dem Edlen Uffo zuzuschreiben ist, dessen Frau Hildburg im Jahre 896 das Kloster Möllenbeck stiftete.
    Die Wanderwege, sind gerade auch vom Kirschendorf Todenmann aus, gut ausgeschildert.
    Die Nachbarberge der Langen Wand sind durch die Abbauindustrie halb- bzw. fast schon gĂ€nzlich abgebaut, die LandschaftsrĂ€ume haben fĂŒr den sanften Tourismus daher kaum mehr etwas zu bieten, RuherĂ€ume in Wald und Natur und zur Erholungsnutzung sind durch den Bodenabbau bereits zerstört worden. Im Westen sind das die WĂŒlpker Egge und der Papenbrink an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen, im Osten ist die “Luhdener Klippe” mit dem “Klippenturm” noch heil, aber gleich im Anschluss befindet sich der durch die Steinbruchindustrie fast total zerstörte Steinberger Messingsberg.
    Die Lange Wand/Hainholz und die Luhdener Klippen sind die beiden Hausberge der Stadt Rinteln - von der Weserstraße, der WeserbrĂŒcke, der Bahnhofstraße, vom “Erholungsgebiet Doktorsee” bietet ihr Anblick jedem Landschaftsfreund sommers wie winters einen Ă€sthetischen Genuss, die Ausblicke vom Kamm ĂŒber das Wesertal sind ebenso grandios und wunderbar.
    Eine vom Landesamt fĂŒr Bodenforschung herausgegebene Liste weist auch diesen Berg der Weserkette
    als Gebiet zur Rohstoffvorsorge aus. Der Vorstellung, dass auch dieser noch intakte Berg der Weserkette einmal eine durch SteinbrĂŒche zerstörte hintere Seite haben könnte mit allen negativen Begleiterscheinungen, wie LĂ€rm, Staub, Verschwinden der WĂ€lder, KammabrĂŒche usw. wie z.B. bei der  WĂŒlpker Egge, der Westendorfer Egge und dem Messingsberg ist nicht nur fĂŒr den Heimat-, Wander- und Naturfreund unertrĂ€glich. Die Lange Wand, das Hainholz gehört zu den Naturreserven der Region Weserbergland, ist darĂŒber hinaus ein hoch genutzter Erholungsraum der Menschen aus Todenmann, Luhden und Bad Eilsen, ein landschaftliches Kleinod und verdient schon deshalb unseren besonderen Schutz. Er darf durch die Steinbruchindustrie nie angetastet werden, ebenso wenig wie die Luhdener Klippen, der Oberberg, der Möncheberg und das Dachtelfeld. Frederik Eix und Elke Reineking
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    Die Natur- und Kulturlandzerstörung im Weserbergland kann noch gestoppt werden!
      Helfen Sie mit!     Mehr dazu hier klicken
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    “Von uns gibt es keinen einzigen Berg mehr!”
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